US-Wirtschaft
US-Notenbanker befürchten längere Konjunkturflaute

Die Immobilien- und Finanzmarktkrise könnte der US-Wirtschaft nach Ansicht von Spitzenvertretern der US-Notenbank einen herben Dämpfer verpassen. Die Fed erwartet, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr schrumpfen und erst danach wieder leicht steigen wird, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung von Mitte März hervorgeht,

HB WASHINGTON. Den eher düsteren Ausblick werteten die Finanzmärkte als Zeichen, dass die Notenbank ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Die Zinsfutures an der Wall Street signalisierten, dass die Chance auf eine Zinssenkung auf 1,75 Prozent bis Juni nun bei 90 Prozent liegt.

Die Federal Reserve hatte bei ihrer Sitzung am 18. März den Leitzins von 3,0 auf 2,25 Prozent gesenkt, um der schwächelnden Wirtschaft mit billigerem Geld unter die Arme zu greifen. Notenbank-Chef Ben Bernanke hat zuletzt aber nicht ausgeschlossen, dass die größte Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession rutschen könnte und dabei weitgehend das im Protokoll beschriebene Szenario dargestellt. Für die zweite Jahreshälfte rechnet er wieder mit einer leichten Erholung.

Die Teilnehmer der Sitzung hätten sich zudem besorgt über die Inflation geäußert, hieß es. Mehrere Indikatoren für die Inflationserwartungen deuteten nach oben. Die US-Börsen reagierten kaum auf die Veröffentlichung des Protokolls und weiteten ihre Verluste zwischenzeitlich nur minimal aus. Während manche Beobachter keine Überraschung sahen, zeigte sich Richard Sichel von Philadelphia Trust beunruhigt über die Wortwahl der Notenbanker. „Einige ihrer Gedanken waren vielleicht etwas negativer als wir gedacht hätten.“ Im Protokoll hieß es zu den Äußerungen der Fed-Banker: „Einige gingen davon aus, dass ein längerer und starker wirtschaftlicher Abschwung nicht ausgeschlossen werden könnte.“ Grund dafür sei der erschwerte Zugang zu Krediten und die anhaltende Schwäche am Immobilienmarkt.

Seit Mitte September hat die Notenbank ihren Leitzins mehr als halbiert, um die Folgen der Immobilien- und Finanzkrise abzumildern. Die kräftige Zinssenkung vom März stieß aber auf die Ablehnung von zwei Mitgliedern im geldpolitischen Entscheidungsgremium der Fed: Charles Plosser und Richard Fisher votierten für einen geringeren Schritt. Beide hatten zuletzt darauf verwiesen, die Fed dürfe in ihrem Kampf gegen die Wirtschaftsflaute die Inflation nicht aus den Augen verlieren.

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