USA
Konjunkturdaten fallen überraschend negativ aus

In den USA ist der wichtige Konsumklimaindex der Uni Michigan schwächer ausgefallen als von Experten erwartet. Zugleich weitete sich das Außenhandelsdefizit der USA aus.
  • 0

HB MICHIGAN/WASHINGTON. Das Konsumklima trübte sich im November überraschend ein und fiel von 70,6 Punkten im Vormonat auf 66,0 Zähler, teilte die Universität Michigan am Freitag in einer vorläufigen Erhebung mit. Volkswirte hatten mit 71,0 Punkten gerechnet. „Es gibt keine nachhaltigen Impulse für den Konsum und damit fehlt ein wichtiger Faktor für das US-Wachstum“, sagte HSBC-Trinkaus-Volkswirt Thomas Amend.

Die Stimmung bei den Verbrauchern dürfte sich auch in der Vorweihnachtszeit weiter eintrüben, sagte Richard Curtin, der für die Umfrage verantwortlich ist. Die Verbraucher gingen zwar weiterhin von einer Belebung der Konjunktur aus, aber in einem deutlich langsameren Tempo. Auch die Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich weiter verschärfen: Im Schnitt erwarteten die Umfrageteilnehmer einen Anstieg der Arbeitslosenquote bis auf 10,75 Prozent. Im Oktober war die Quote auf 10,2 Prozent und damit den höchsten Stand seit 26 Jahren gestiegen. Die US-Wirtschaft war dagegen im Sommerquartal wieder gewachsen und hat damit wahrscheinlich die Rezession hinter sich gelassen.

Der Index der Universität Michigan gilt als Stimmungsbarometer für das Kaufverhalten der US-Verbraucher. Der private Konsum wird wegen der Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise derzeit besonders stark beachtet. In den vergangenen Jahren war der Konsum die wichtigste Konjunkturstütze der weltweit größten Volkswirtschaft. Experten werteten die Umfrageergebnisse als Enttäuschung. „Der private Verbrauch dürfte schwach bleiben, bis sich der Arbeitsmarkt belebt“, sagte Gary Thayer von Wells Fargo Advisors.

Der Euro gab nach den überraschend negativen US-Konjunkturdaten etwas nach. Die Gemeinschaftswährung fiel auf bis auf 1,4826 Dollar von zuvor 1,4840 Dollar. Der Dax gab nach den US-Daten ebenfalls etwas nach und lag bei 5637 Zählern 0,5 Prozent im Minus. Der Bund-Future notierte mit 121,51 Punkten fünf Ticks niedriger.

Zugleich weitete sich das Außenhandelsdefizit der USA aus, weil die Importe stärker stiegen als die Exporte. Der Fehlbetrag schnellte um 18,2 Prozent in die Höhe auf 36,5 Milliarden Dollar – das war der stärkste Anstieg seit zehn Jahren, wie das Handelsministerium mitteilte. Ein Grund für den starken Anstieg der Einfuhren dürfte der Ölpreis sein, der seit sieben Monaten zulegt. Die USA sind der weltgrößte Ölimporteur.

Das US-Handelsbilanzdefizit wird an den Märkten mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. Weil die USA mehr konsumieren als sie produzieren, muss die Lücke durch massive Kapitalzuflüsse aus dem Ausland geschlossen werden. Die weltweiten Ungleichgewichte gelten als ein wichtiger Grund für den Ausbruch der Wirtschaftskrise. US-Präsident Barack Obama will das Thema bei seinem Besuch in China in wenigen Tagen ansprechen.

Kommentare zu " USA: Konjunkturdaten fallen überraschend negativ aus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%