Verarbeitenden Gewerbe legt zu
Anzeichen für Erholung der US-Industrie mehren sich

In den USA mehren sich die Anzeichen für eine Erholung der krisengeschüttelten Industrie. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe der weltgrößten Volkswirtschaft legte im Juli nach Fed-Angaben vom Freitag überraschend deutlich zu.

Reuters WASHINGTON. Grund war unter anderem die starke Energieproduktion für Klimaanlagen wegen des warmen Wetters. Für August zeigte der Industrie-Index der New Yorker Fed den vierten Monat in Folge verbesserte Geschäftsbedingungen an, wenngleich der Optimismus etwas nachließ. Derweil dürfte die auf niedrigem Niveau stabile Inflation Befürchtungen dämpfen, dass der konjunkturellen Belebung in der weltgrößten Volkswirtschaft Gefahren durch sinkende Preise drohen. Die Finanzmärkte reagierten zunächst kaum auf die Daten.

Die Gesamterzeugung der Fabriken, Bergwerke und Energieversorger in den USA sei zum Vormonat saisonbereinigt um 0,5 % gestiegen, teilte die US-Notenbank (Fed) mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem deutlich geringeren Anstieg um 0,1 % gerechnet. Die Kapazitätsauslastung kletterte auf 74,5 (Vormonat 74,2) Prozent. Analysten hatten mit einer Auslastung von lediglich 74,3 % gerechnet.

Die Produktion in den Fabriken, die rund 85 % des gesamten Industrieausstoßes ausmacht, legte um 0,2 % zu. Bei den Energieversorgern belief sich das Plus sogar auf 3,9 %. Der heiße Juli führte zu einer deutlich gestiegenen Nachfrage nach Elektrizität, vor allem zum Betrieb von Klima- und Kühlanlagen. Am späten Donnerstagnachmittag legte der größte Stromausfall in der Geschichte Nordamerikas New York und andere Metropolen im Nordosten der USA und in Kanada lahm. Die Ursache ist bislang noch ungeklärt, ein Anschlag wurde von US-Präsident George W. Bush aber ausgeschlossen.

Der Konjunkturindex für das Verarbeitende Gewerbe im Großraum New York fiel im August zwar auf plus 9,98 Punkte nach revidiert plus 20,83 Zählern im Juli, wie die Federal Reserve Bank von New York mitteilte. Das Stimmungsbarometer, das als vergleichsweise zuverlässiger Indikator für die landesweite Entwicklung der Industrie gilt, blieb aber zum vierten Mal hintereinander im positiven Bereich. Werte über Null zeigen an, dass eine Mehrheit der befragten Unternehmen von einer Verbesserung der Bedingungen gesprochen hat. „Insgesamt gesehen ist es vermutlich eine positive Zahl“, kommentierte Volkswirt John Calverly von American Express Bank den Index.

Die Industrie, die rund ein Sechstel der US-Wirtschaftsleistung ausmacht, war am stärksten von der drastischen Konjunkturabkühlung in den vergangenen Jahren betroffen. Die Beschäftigung in dem Wirtschaftszweig wurde dabei auf das Niveau von Ende der 50er Jahre reduziert. Zuletzt hatte hatte das Verarbeitende Gewerbe allerdings erste Anzeichen eines Aufwärtstrends gezeigt, wie auch die Fed in ihrem jüngsten Konjunkturbericht festgestellt hatte.

Unterdessen bleibt die Inflation in den USA auf niedrigem Niveau. Die vom Arbeitsministerium veröffentlichten Verbraucherpreise stiegen im Juli wie von Analysten erwartet um 0,2 % nach einem Plus in gleicher Höhe im Vormonat. In der Kernrate, also ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelkosten, legten die Preise um ebenfalls 0,2 % zu, während Volkswirte hier ein Plus von lediglich 0,1 % vorausgesagt hatten.

Analysten zufolge gibt die weiterhin moderate Teuerung der Fed den Spielraum, die Zinsen auf längere Zeit niedrig zu halten, um die wirtschaftliche Erholung zu stützen. Dies hatten die Währungshüter zuletzt auch ungewöhnlich deutlich signalisiert. Der Leitzins in den USA liegt derzeit mit einem Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit 45 Jahren.

Die Fed hatte zugleich wiederholt vor einem unerwünschten Inflationsrückgang gewarnt. Eine stark gebremste Teuerung kann dazu führen, dass die Verbraucher in Erwartung günstigerer Preise ihre Anschaffungen aufschieben, was den Konsum und damit letztlich auch das Wirtschaftswachstum drosselt.

Wegen des Stromausfalls im Nordosten der USA wurde der mit Spannung erwartete Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan für August nicht wie geplant am Freitag vorgelegt. Die Universität blieb komplett geschlossen und verschob die Veröffentlichung auf Dienstag.

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