Verbraucher sind wieder optimistischer
Die Kauflaune steigt

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft kommen die Bundesbürger allmählich wieder in Konsumlaune. Insbesondere die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen, habe sich spürbar verbessert und sei auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen, berichtete der Marktforscher GfK in seiner Konsumklima-Studie für November am Freitag in Nürnberg.

HB NÜRNBERG. Nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hellt sich die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern hellt sich etwas auf. Der auf Basis der November-Umfrage berechnete Konsumklima-Indikator für Dezember kletterte auf 2,7 von 2,4 Punkten, wie die GfK am Freitag mitteilte. „Damit haben sich die Voraussetzungen für einen besseren Start in das kommende Jahr verbessert“, erklärte GfK-Experte Rolf Bürkl. Während die Bereitschaft der Menschen zu größeren Anschaffungen erneut etwas anstieg, wuchs ihre Skepsis über die Entwicklung der Konjunktur und ihre eigene finanzielle Situation. „Deshalb ist für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft nur mit leichten Impulsen zu rechnen“, folgerte Bürkl.

Analysten hatten erwartet, dass das Konsumklima weitgehend unverändert bleibt. Die GfK befragt monatlich rund 2 000 Personen und berechnet daraus das Konsumklima für den Folgemonat. Die schlechte Stimmung der Verbraucher gilt als eines der größten Hindernisse für eine kräftigere Erholung der Wirtschaft in Deutschland. Der Anstieg des Euro auf neue Rekordkurse und die weiterhin hohen Ölpreise nähren derzeit Befürchtungen, dass die Erholung schon wieder vorbei sein könnte, bevor sie richtig in Schwung gekommen ist.

„Einen Hoffnungsschimmer kann man der Entwicklung der Anschaffungsneigung entnehmen“, sagte Bürkl angesichts des Anstiegs dieses Teilindikators auf minus 24,4 von minus 28,6 Punkten, den höchsten Stand seit Dezember 2001. Bürkl vermutete, dass die Menschen nach einer langen Periode großer Verunsicherung einen Nachholbedarf beim Einkaufen haben. „Es besteht deshalb die Hoffnung, dass selbst kleine positive Impulse für die Einkommensentwicklung sowie am Arbeitsmarkt zu einer deutlichen Erhöhung der Anschaffungsneigung führen werden“, erklärte Bürkl. „Die Binnennachfrage steht sozusagen in den Startlöchern und wartet nur auf den erlösenden Startschuss.“

Allerdings lieferte die jüngste Umfrage noch keine Anzeichen dafür, dass die Geldsorgen der Bürger abnehmen. „Positive Einflüsse auf die Einkommensentwicklung sind nach wie vor nicht in Sicht“, sagte Bürkl. Zumindest scheinen die Menschen nun alle Belastungen für ihre zukünftiges Einkommen in ihren Budgetplanungen berücksichtigt zu haben, so dass der Indikator für die Einkommenserwartungen mit minus 15,8 Punkten weitgehend stabil blieb.

Von der allgemeinen Wirtschaftserholung versprechen sich die Menschen auch keine Besserung. „Nach wie vor rechnen die Verbraucher nicht mit einer spürbaren Erholung der Konjunktur“, erklärte Bürkl. Der Indikator für die Konjunkturstimmung sank erneut leicht auf minus 17 von minus 16,5 Zählern. Bürkl vermutete, dass die jüngste Entspannung bei den Benzinpreisen dazu beigetragen hat, dass die Hoffnung auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage nicht weiter gelitten hat.

Andreas Rees, Hypo-Vereinsbank:
„Trotz der Verbesserung des Konsumklimas haben wir starke Zweifel daran, dass der Weihnachtsmann in diesem Jahr viele Geschenke im Sack hat. 40 % der Verbraucher geben an, sie wollen weniger Geld für Geschenke ausgeben. Vor dem Hintergrund des schlechten Weihnachtsgeschäftes im vergangenen Jahr ist das erschreckend. Was einen Konsumstau angeht, sind wir skeptisch. Der Konsum ist zwar schwach, aber das steht in Übereinstimmung mit dem schwachen Arbeitsmarkt und der Lohn- und Einkommensentwicklung. Im Gegenteil: Im vierten Quartal diesen Jahres und im nächsten Jahr sehen wir Abwärtsrisiken beim privaten Verbrauch. Die Diskussion um einen Stellenabbau etwa bei Opel oder KarstadtQuelle hat sich zwar etwas beruhigt. Aber es könnten da noch weitere schlechte Nachrichten in der Pipeline sein. Auch der erwartete - statistisch begründete - Anstieg der Arbeitslosenzahl auf über fünf Mill. wird die Stimmung belasten.“

Ralph Solveen, Commerzbank:
„Es ist zwar erfreulich, dass der Indikator gestiegen ist. Vom Privatverbrauch dürfen wir aber nicht viel erwarten. Die Einkommensentwicklung ist einfach zu schwach, dazu kommt der hohe Ölpreis. Da ist es wirklich kein Wunder, dass die Stimmung nicht himmelhoch jauchzend ist. Einen Konsumstau sehe ich nicht. Die allgemeine Verunsicherung ist nicht der Hauptgrund für die Zurückhaltung beim Einkaufen. Zwar ist die Sparquote gestiegen, aber das ist eher eine Korrektur nach den 90er Jahren. Außerdem reagieren die Menschen zu Recht auf die Aufforderung, mehr für ihre Altersvorsorge zu tun. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass der Konsum plötzlich deutlich loslegt. Im kommenden Jahr dürften die verfügbaren Einkommen etwas zulegen und außerdem bessert sich allmählich die Lage am Arbeitsmarkt. Deshalb dürfte der private Verbrauch leicht ansteigen, aber mehr als plus 0,5 % erwarte ich nicht.“

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim:
„Das ist ein sehr durchwachsenes Ergebnis. Es ist klar, dass die Einkommenserwartungen sehr schwach bleiben vor dem Hintergrund von Entlassungen und Weihnachtsgeldkürzungen. Die Verbesserung der Anschaffungsneigung spricht dagegen tendenziell für mehr Optimismus. Es ist sicherlich positiv, dass wir uns beim Konsumklima von dem niedrigem Niveau etwas nach oben bewegen. Das Niveau bleibt aber sehr niedrig und durch einen extremen Pessimismus geprägt. Entwarnung für das Konsumklima kann man nicht geben, gerade weil zum Jahresanfang gesetzliche Veränderung anstehen wie Hartz IV. Das Konsumklima passt dazu, dass der Konsum im dritten Quartal stagnierte. Wir haben auch die höchste Sparquote seit 1995, was die Besorgnis der Menschen zeigt. Andererseits gibt das Raum für zusätzlichen Konsum bei einer Verbesserung der Lage vor allem auf dem Arbeitsmarkt.“

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