Verbraucher sollen sparsamere Autos kaufen
Experten erwarten dauerhaft hohe Ölpreise

EU-Energiekommissar Andris Piebalgs rechnet mit dauerhaft hohen Ölpreisen. „Wir können nicht erwarten, dass die Preise wieder sinken“, sagte Piebalgs in einem Gespräch mit der dpa in Brüssel.

HB HAMBURG/BRÜSSEL. Die Verbraucher müssten sich auf das gegenwärtige Preisniveau einstellen, “weil die Unklarheit über die Nachfrage bestehen bleibt“, meinte der Ressortchef für Energiefragen in der Europäischen Kommission. Negative Folgen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland seien schon sichtbar. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) nannte die hohen Energiepreise wachstumsgefährdend. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) forderte die Autofahrer zu spritsparendem Fahren auf.

Für den sparsamen Umgang mit Energie warb auch Piebalgs. „Mit diesen Preisen macht Energiesparen Sinn - nicht nur in der Industrie, sondern auch privat.“ Derzeit sei Europa vom effizienten Einsatz der Energie „weit entfernt“. Der Kauf sparsamerer Haushaltsgeräte und Autos sei aber ebenso möglich wie eine wirksamere Wärmedämmung von Gebäuden: „Wir müssen nicht warten, bis es weh tut.“ Die Verbraucher müssten dazu allerdings besser über Energiekosten aufgeklärt werden. Piebalgs sprach sich zudem für die weitere Förderung erneuerbarer Energien aus.

„Wer angepasst und defensiver fährt, kann beim Spritverbrauch bis zu zehn Prozent sparen - und ab und zu das Auto stehen lassen, Bus und Bahn nutzen“, sagte Trittin der „Bild“ (Samstag). So lohne sich auch der Umstieg auf Erdgas- oder Biodiesel-Autos. Dadurch könnten die Autofahrer „weiter für 60 Cent je Liter fahren“.

Trittin warf den Autoherstellern schwere Versäumnisse vor. Bisher seien sie „noch weit entfernt von ihrem Versprechen, bis 2008 den Durchschnittsverbrauch je Fahrzeug-Marke auf 5,5 Liter Benzin beziehungsweise fünf Liter Diesel zu senken“. Er forderte: „Die Industrie muss dringend ihre Hausaufgaben machen.“ Derzeit verbrauchten Neuwagen im Schnitt noch 6,8 Liter Benzin je 100 Kilometer.

„Ich sehe den starken Anstieg des Rohölpreises und der Energiepreise mit großer Sorge“, schrieb Clement in einem Gastbeitrag in der „Bild am Sonntag“. „Dieser Preisschub trifft Deutschland nicht allein, sondern ereignet sich in vielen Ländern Westeuropas. Das gefährdet den Aufschwung, der gerade in Gang kommt.“

EU- Währungskommissar Joaquín Almunia hatte bereits im Juli erklärt, ein Ölpreis um 60 Dollar pro Fass könnte Europa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte Wachstum kosten. Am Freitag lag der Preis für leichtes US-Öl bei 67,80 Dollar je Barrel (159 Liter), knapp unter der Rekordmarke von 68 Dollar. Im Frühjahr hatte die Kommission ihre Prognose schon von 2 auf 1,6 Prozent gesenkt.

„Ich glaube, der negative Einfluss auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland und Frankreich ist schon da“, sagte Energiekommissar Piebalgs. Der Ölpreis schwanke nicht nur wegen Unklarheiten über die künftige Nachfrage in der EU oder Schwellenländern wie Indien. „Jedes politische Ereignis beeinflusst den Preis“, sagte Piebalgs. Er hoffe deshalb stark auf eine Verhandlungslösung im Streit über das Atomprogramm im Förderland Iran. „Wenn das schief geht, wird sich das stark auf den Erdöl-Preis auswirken“, warnte der EU-Kommissar.

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