Verbraucherpreise
Euro-Inflation sinkt erstmals unter null Prozent

Die Verbraucherpreise im Euro-Raum sind im Juni erstmals in der zehnjährigen Geschichte der Währungsunion gefallen. Experten erwarten in den Sommermonaten weiter fallende Preise. Einen Deflation - einen Rückgang der Preise auf breiter Front über einen längeren Zeitraum - befürchten sie aber nicht.

HB BRÜSSEL. Sie sanken um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Grund dafür ist der Preisrutsch bei Energie. Im Mai lag die Teuerungsrate noch bei null.

„Bis September werden die Lebenshaltungskosten sinken“, sagte WestLB-Chefvolkswirt Holger Sandte. Maßgeblich dafür sei die Entwicklung der Ölpreise. Im Sommer 2008 war die Inflationsrate bis auf das Rekordhoch von 4,0 Prozent gestiegen, weil Öl so teuer war wie noch nie. Derzeit kostet ein Fass nur noch etwa halb so viel wie vor Jahresfrist. Wegen der schwachen Nachfrage in der schwersten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges fällt es Unternehmen zudem schwer, höhere Preise durchzusetzen.

Eine Deflation erwarten Experten aber nicht. „Wir sehen keine Deflation“, sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. „Am Jahresende werden wir wieder eine Teuerungsrate von einem Prozent haben.“ Öl kostet derzeit etwa doppelt so viel wie im Dezember vergangenen Jahres. Der WestLB zufolge sind die Preise für viele Lebensmittel, die Gesundheitspflege, Hotels und Restaurants sowie in vielen anderen Bereichen zuletzt noch gestiegen, wenn auch moderat. „Von wirklicher Deflation - also einem breit angelegten Preisrückgang - kann also nicht die Rede sein“, sagte WestLB-Chefvolkswirt Sandte.

Um die Gefahr einer Deflation schon im Keim zu ersticken, hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins auf das Rekordtief von 1,0 Prozent gesenkt. Mit billigem Geld will sie die Nachfrage anregen und einem Preisverfall vorbeugen. Ziel der Währungshüter ist es, die Teuerungsrate mittelfristig bei knapp unter zwei Prozent zu verankern. Für 2009 erwartet sie im Schnitt 0,3 Prozent, für 2010 sagt sie 1,0 Prozent voraus.

In Deutschland waren die Preise im Juni überraschend um 0,1 Prozent gestiegen, obwohl Experten einen Rückgang erwartet hatten. Sie rechnen nun damit, dass die Kosten für die Lebenshaltung im Juli sinken werden.

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