Verbraucherpreise
Euro-Länder erleben extremen Preisrutsch

Der Preisrutsch in den 16 Euro-Ländern hat sich im Juli deutlicher als erwartet beschleunigt. Die Verbraucherpreise lagen um 0,6 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote erreichte in der Eurozone indes ein Zehn-Jahres-Hoch.

HB BRÜSSEL. Das teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag mit. Analysten hatten nur mit einem Rückgang um 0,4 Prozent gerechnet. Im Juni waren die Lebenshaltungskosten um 0,1 Prozent und damit erstmals in der zehnjährigen Geschichte der Währungsunion gesunken.

Maßgeblich für die Entwicklung sind sinkende Kosten für Heizöl und Benzin. Dem ging ein starker Verfall der Weltmarktpreise für Rohöl voraus. Für ein Fass wurde vor einem Jahr der Rekordwert von knapp 150 Dollar verlangt. Derzeit sind es mit knapp 67 Dollar weniger als die Hälfte, weil die Nachfrage wegen der weltweiten Rezession gesunken ist.

Dies hatte auch die Preise in Deutschland gedrückt. Sie sanken ebenfalls um 0,6 Prozent, wobei auch viele Lebensmittel weniger kosteten als vor einem Jahr. Damit trug die Inflationsrate erstmals seit 1987 ein negatives Vorzeichen.

Experten rechnen wegen der schwachen Konjunktur bis in das nächste Jahr hinein mit weitgehend stabilen Preisen im Euro-Raum. In der Rezession fällt es Industrie, Handel und Dienstleistern schwer, höhere Preise durchzusetzen. Für dieses Jahr rechnet die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 0,3 Prozent und für 2010 von 1,0 Prozent. Die Währungshüter sprechen bei Raten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preise.

Um die Gefahr einer Deflation im Keim zu ersticken, hat die EZB ihren Leitzins auf das Rekordtief von 1,0 Prozent gesenkt. Als Deflation wird ein lang anhaltender Preisrutsch auf breiter Front bezeichnet. Mit billigem Geld will die EZB die Nachfrage anregen und einem Preisverfall vorbeugen, der schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft hätte. Die Zentralbank wird ihren Leitzins nach Meinung von Analysten bis Sommer 2010 bei 1,0 Prozent belassen.

Die Arbeitslosenquote in der Eurozone stieg im Juni unterdessen auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. Nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat kletterte sie auf 9,4 Prozent und lag damit um 1,9 Prozentpunkte über Vorjahr. Das sei die höchste Quote seit Juni 1999, teilte Eurostat am Freitag in Brüssel mit. Die Quote in der gesamten Europäischen Union erreichte mit 8,9 Prozent den höchsten Stand seit 2005.

Im Juni waren schätzungsweise rund 21,5 Millionen Menschen in den 27 EU-Mitgliedsstaaten arbeitslos, 5 Millionen mehr als im Juni 2008. In der Eurozone waren knapp 15 Millionen Männer und Frauen arbeitslos. Das sind rund 3 Millionen mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote war mit 18,1 Prozent in Spanien am höchsten, gefolgt von Lettland (17,2) und Estland (17,0). Die niedrigsten Quoten verzeichneten die Niederlande (3,3) und Österreich (4,4). Die deutsche Quote lag mit 7,7 Prozent unter dem EU-Durchschnitt.

Experten rechnen in den kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg. „Das dürfte den privaten Konsum beeinträchtigen“, sagte Citigroup-Analyst Jürgen Michels.

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