Verbraucherpreise fallen
Deflationsgefahr in China wächst

Erste Signale einer Deflation: Die Verbraucherpreise in China sind im Februar zum ersten Mal seit mehr als sechs Jahren gefallen - und zwar im Monatsvergleich um 1,6 Prozent. Das teilte das Statistikamt am Dienstag in Peking mit. Der Preisverfall beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Lebenshaltungskosten.

PEKING. Die Verbraucherpreise in China sind zum ersten Mal seit Dezember 2002 zurückgegangen. Grund waren vor allem die fallenden Rohstoffpreise und die sinkenden Exporte Chinas mit einer daraus resultierenden Überproduktion. Zugleich machte sich aber auch ein so genannter Basiseffekt bemerkbar: Im Februar vergangenen Jahres hatte die Inflationsrate mit 8,7 Prozent ein Elf-Jahres-Hoch erreicht und die Preise vieler Produkte sehr hoch getrieben.

Experten erwarten nun für das gesamte laufende Jahr fallende Preise in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt - obwohl die Regierung mit ihrem umgerechnet 480-Milliarden-Euro schweren Konjunkturprogramm die Nachfrage ankurbeln will. "Ich denke, dass ist das erste Signal einer Deflation", sagte der China-Experte von Morgan Stanley, Qing Wang. Verbraucher könnten mit Anschaffungen in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise warten. Die Kaufzurückhaltung würde die Produkte dann tatsächlich billiger machen. Eine derartige Spirale gefährdete Chinas Wachstumsziel von acht Prozent für dieses Jahr. Die Regierung strebt für 2009 eine Inflation von vier Prozent im Jahresdurchschnitt an.

Die Statistikbehörde wollte angesichts der jüngsten Zahlen nicht von Deflation sprechen. Angesichts der steigenden Kreditvergabe und üppigen Liquidität im Bankensystem könne davon überhaupt keine Rede sein. Die Entwicklung sei vielmehr eine Folge stark sinkender Preise für Öl, Eisenerz und andere Rohstoffe.

Allerdings beschränkt sich der Preisverfall nicht nur auf die Lebenshaltungskosten. Auch städtische Immobilien wurden im Februar billiger: Der Preisrückgang von 1,2 Prozent war der stärkste seit Einführung der Statistik 2005. Als Deflation wird ein Preisverfall auf breiter Front über einen längeren Zeitraum hinweg bezeichnet. Sie gilt als besonders gefährlich für die Wirtschaft, weil Verbraucher dadurch ermuntert werden können, auf weiter sinkende Preise zu spekulieren und geplante Käufe auf die lange Bank zu schieben. HB

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