Verbraucherstimmung
Deutsche treten auf Konsumbremse

Zwei aktuelle Umfragen zeigen: Die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern kippt. Wegen des kräftigen Abschwungs befürchtet jeder zweite Deutsche, den Gürtel im kommenden Jahr enger schnallen zu müssen. Immer mehr Menschen verzichten jetzt bereits auf geplante Autokäufe, Restaurantbesuche und teuren Urlaub.

HB STUTTGART/BERLIN. Laut einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young unter 3000 Verbrauchern verändern die Bürger angesichts der Wirtschaftskrise zum Teil drastisch ihr Konsumverhalten. 47 Prozent der Befragten wollen größere Anschaffungen wie einen Autokauf verschieben, ergab die am Donnerstag in Stuttgart vorgestellte Studie. Jeder Dritte verzichtet häufiger auf den Gang ins Restaurant oder knapst Geld beim Urlaub ab. 20 Prozent fürchten zudem um ihren Arbeitsplatz. Krisengewinner seien besonders Discounter und Anbieter im Niedrigpreissegment, sagte Ernst & Young-Partner Peter Schommer.

Die Erwartung wird besonders für 2009 immer pessimistischer: 61 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die Wirtschaftslage in Deutschland verschlechtere. Angesichts der drohenden tiefsten Rezession seit Gründung der Bundesrepublik erwartet jeder Dritte der Befragten, dass sich auch die eigene wirtschaftliche und finanzielle Situation negativ entwickele. Nur noch 48 Prozent halten ihren Arbeitsplatz für „sehr sicher“.

Die Wirtschaft der Eurozone ist im dritten Quartal wie zunächst berechnet geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im dritten Vierteljahr zum Vorquartal um 0,2 Prozent gesunken, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mit und bestätigte damit vorläufige Zahlen. Nachdem die Wirtschaftsleistung auch im zweiten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft war, befindet sich die Eurozone damit in einer Rezession. Ökonomen sprechen gemeinhin bei zwei Quartalen nacheinander mit negativen Wachstumsraten von einer Rezession.

„Die Finanzkrise ist zu einer realen Wirtschaftskrise geworden, die die Industrie mit großer Wucht getroffen hat – die Arbeitnehmer stellen sich darauf ein, dass dies auch Auswirkungen auf die Beschäftigung haben wird“, sagte Schommer. Die größten Sorgen um ihren Job machen sich Geringverdiener und Singles sowie kinderlose Paare. Fast jeder dritte Arbeitnehmer mit einem Einkommen von unter 25 000 Euro sieht seinen Arbeitsplatz gefährdet – von den Personen, die mehr als 50 000 Euro pro Jahr verdienen, sorgt sich nur jeder 13. um die Sicherheit seines Arbeitsplatzes.

Die Zukunftsängste führen zu deutlichen Sparanstrengungen: Zwei von drei Verbrauchern achten laut der Umfrage stärker auf den Preis und 45 Prozent kaufen häufiger bei Discountern. „Vor allem Familien mit Kindern und Personen mit niedrigen bis mittleren Einkommen wollen insgesamt den Gürtel enger schnallen und kaufen verstärkt bei Discountern ein“, heißt es in der Studie. Trotz aller Sorgen will aber die Hälfte der Befragten nicht auf gelegentlichen Luxus verzichten.

Die Daten wurden auf Basis einer telefonischen Befragung durch das Marktforschungsinstitut Valid Research aus Bielefeld im November 2008 ermittelt. Befragt wurden 3 000 volljährige Verbraucher aus ganz Deutschland.

Auch eine Umfrage der Dresdner Bank kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Wegen des kräftigen Abschwungs befürchtet demnach jeder zweite Deutsche, den Gürtel im kommenden Jahr enger schnallen zu müssen. 47,6 Prozent rechnen mit einem geringeren Einkommen, ergab die am Donnerstag veröffentlichte Umfrage unter 1300 Bürgern. 41,5 Prozent erwarten unveränderte Finanzen, nur 9,6 Prozent gehen von einem steigenden Einkommen aus. „Trotz der trüben Aussichten wollen jedoch nur sehr wenige an den Weihnachtsgeschenken sparen“, hieß es. Auf der Streichliste ganz oben stehen vielmehr größere Anschaffungen und Urlaubsreisen.

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