Verbraucherstimmung steigt
Hoffnung auf Konsumfrühling erwacht

Die Verbraucherstimmung in Deutschland ist leicht gestiegen und weckt Hoffnung auf einen Konsumfrühling. Trotz des anhaltenden Winterwetters auf den Finanzmärkten prognostizierte das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK einen geringen Anstieg des Konsumklima-Index auf 4,6 Punkte für April. Volkswirte bewerteten die Zahlen positiv.

HB NÜRNBERG. Im März lag der Index bei 4,5 Punkten. Problematisch sei die anhaltend hohe Inflationsrate. Deshalb senkte die GfK ihre Prognose für den Konsumanstieg 2008 um einen halben Punkt auf 1 Prozent. Bei einer Preissteigerungsrate von voraussichtlich rund 2,5 Prozent könne der private Konsum in diesem Jahr das erwartete Plus nicht erreichen.

Angesichts der positiven Arbeitsmarktentwicklung und der Aussicht auf teils kräftige Tariflohnzuwächse habe sich die Neigung zu größeren Anschaffungen verstärkt, berichtete die GfK. Die Einkommenserwartung legte demnach um 2 Punkte auf 1,5 Punkte zu. Die Anschaffungsneigung verbesserte sich um 4,8 Punkte auf minus 10,2 Punkte. Auch die Konjunkturerwartung hat sich nach einem deutlichen Einbruch um 14 Punkte im vergangenen Monat wieder gefangen: sie stieg um 0,4 Punkte auf 15,0 Punkte. Wegen der Folgen der Bankenkrise und der sich mehrenden Anzeichen für eine Rezession in den USA mit möglichen Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur blieben die Deutschen aber vorsichtig.

Volkswirte bewerteten den Index positiv. Er reihe sich ein in die zuletzt erfreulichen deutschen Konjunkturdaten.

Stefan Schilbe, HSBC Trinkaus: „Das sind positive Zahlen. Vor allem die Kaufneigung hat sich verbessert. Das ist einem Umfeld mit hohen Ölpreisen, die die Kaufkraft dämpfen, recht positiv. Der robuste Arbeitsmarkt und die anstehenden Tarifverhandlungen lassen die Haushalte auf steigende Einkommen hoffen. Das stützt die Kaufkraft. Das Konsumklima reiht sich ein in die zuletzt guten Konjunkturdaten wie den Ifo-Index. Die Konjunktur bricht nicht weg - trotz Belastungen wie hoher Ölpreis, starker Euro und US-Rezession. Es ist erfreulich, dass sich die Haushalte trotz des schwierigen Umfelds nicht skeptischer zeigen.“

Sebastian Wanke, Dekabank: „Die Verbraucher sind derzeit hin und hergerissen zwischen ungewöhnlich hohen Tarifabschlüssen einerseits und hoher Inflation, Ängsten um die US-Wirtschaft und das Finanzsystem andererseits. Da aber die Inflation zuletzt von ihrem Schrecken etwas verloren hat, scheint sich die Wahrnehmung nun auf die positive Beschäftigungs- und Gehaltsentwicklung zu konzentrieren. Es könnte aber auch einen kleinen Ostereffekt gegeben haben, da Ostern dieses Jahr recht früh war. Dies könnte zum Anstieg der Anschaffungsneigung beigetragen haben. Die deutschen Verbraucher könnten der Wirtschaft dieses Jahr aus der Patsche helfen, nachdem sie zuvor über Jahre hinweg ohne Reallohnerhöhungen auskommen mussten. Insgesamt sehen wir den GfK-Indikator als positives Signal. Trotz der vielen Belastungsfaktoren scheint sich die Stimmung unter den Verbrauchern zu verbessern.“

Jörg Lüschow, WestLB: „Die Einkommensperspektiven verbessern sich. Dafür sprechen die gute Arbeitsmarktlage und höhere Lohnabschlüsse. Dem müssen steigende Preise gegenübergestellt werden. Dennoch dürfte es unter dem Strich zu realen Einkommenszuwächsen reichen. Das dürfte auch den privaten Konsum beflügeln. Wir rechnen mit einem Konsumwachstum von 1,4 Prozent. Die Stimmung in Deutschland ist sehr robust, wie schon der Ifo-Index zeigte. Das beweist, dass die deutsche Konjunktur trotz der vielen Belastungen stabil ist. Die Wirtschaft ist krisenresistenter geworden.“

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