Verbrauchervertrauen auf Tiefpunkt
Teuerung drückt Kauflaune der Japaner

Die Ölpreisexplosion und hohe Lebensmittelpreise haben den Japanern gründlich die Kauflaune verdorben. Die Bereitschaft zum Autokauf oder zu größeren Anschaffungen fiel im Juni so niedrig aus wie nie zuvor seit Beginn der Verbraucherbefragungen Anfang der 80er Jahre.

HB TOKIO. Das Vertrauen der Verbraucher die wirtschaftliche Entwicklung ist laut Regierung in auf einem Tiefpunkt. Der entsprechende Index lag unbereinigt bei 32,6 nach 33,9 Punkten im Mai. Damit ist die Stimmung sehr weit von der 50-Zähler-Marke entfernt, ab der Optimismus überwiegt.

Die Japaner reagieren nach einer langen Phase der Deflation mit tendenziell fallenden Preisen besonders empfindlich auf die im Aufschwung nun immer kräftiger anziehende Teuerung. Im Mai waren die Preise in der Kernrate mit 1,5 Prozent so stark gestiegen wie seit zehn Jahren nicht mehr - dabei sind in dieser Statistik die Preissprünge für verderbliche Lebensmittel nicht berücksichtigt, sehr wohl aber die teurere Energie.

Experten sehen für die kommenden Monate sogar eine zwei vor dem Komma bei der Inflationsrate auf die Japaner zukommen. Viele Fachleute zeigten sich überrascht, dass die Stimmung nun noch schlechter als zu Deflationszeiten in der zweiten Hälfte der 90er Jahre ist: "Die Leute sind noch weniger in Kauflaune als damals, als sie eine Verbrauchssteuererhöhung verkraften mussten", sagt Ökonomin Azusa Kato von BNP Paribas. Nicht einmal die kurz bevorstehenden Olympischen Spiele beim Nachbarn China hätten jetzt für eine Aufhellung der trüben Stimmung sorgen können.

Japan hat zwar mehrere Jahre soliden Wachstums hinter sich, doch konnten die Löhne mit dem Aufschwungtempo nicht mithalten. Entsprechend fällt der private Konsum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nur verhalten aus. Dies zeigte sich jüngst auch in enttäuschend ausgefallenen Quartalzahlen der Einzelhändler.

Ökonomen befürchten nun, dass die Konjunktur in dem Fernost-Staat im zweiten Vierteljahr in die Minuszone abgerutscht sein könnte. Zwar läuft es aus Expertensicht trotz Finanzkrise und weltweiter Konjunkturabkühlung bei den Investitionen und dem Export noch relativ gut. Doch die Kaufzurückhaltung der Japaner schlägt beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) voll durch, da der private Verbrauch weit mehr als die Hälfte des BIP ausmacht.

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