Vereinigte Arabische Emirate
Mahnender Aufruf am Golf

Bei den arabischen Banken wächst die Angst vor Zahlungsausfällen. Jetzt warnte Sultan Al Suwaidi, Gouverneur der Zentralbank, vor einer Pleitewelle. Wie die Geldhäuser der Emirate sich gegen eine Finanzkrise auf arabische Art wappnen.

DUBAI. Die Banken der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bereiten sich zunehmend auf eine Welle aus faulen Krediten und Firmen-Pleiten vor.. Im Juni bildeten die 52 Institute des Landes Rückstellungen von 9,1 Mrd. Dollar. Das sind elf Prozent mehr als im Mai und 50 Prozent mehr als im vergangenen August.

Die Geldhäuser reagieren damit auf die Zahlungs-Schwierigkeiten von zwei alteingesessenen saudischen Familien-Unternehmen sowie auf die Immobilienkrise, die den Golf-Staat besonders hart erschüttert haben. Die britische HSBC schätzt, dass die saudische Saad- und die Algosaibi-Gruppe bei weltweit mehr als 100 Banken mit mindestens 15,7 Mrd. Dollar in der Kreide stehen. Fachleute sehen darin jedoch nur die Spitze eines Eisberges. Nach Berechnungen der Ratingagentur Moody’s haben die Institute in Dubai im Schnitt ein Drittel ihres Kreditvolumens in Bau-Projekte gesteckt. Die Rückzahlung ist nun ein Problem, da angesichts des Preisverfalls auf dem Häusermarkt viele Kunden nicht mehr liquide sind.

Besonders betroffen sind die VAE-Banken, die das höchste Vermögen auf der Arabischen Halbinsel aufweisen. Saad und Algosaibi schulden ihnen etwa drei Mrd. Dollar. Noch tiefer im Schlamassel sitzen die saudischen Finanz-Häuser, die Außenstände von bis zu sieben Mrd. Dollar drücken. Dabei handelt es sich jedoch nur um die Posten aus syndizierten Krediten, die überprüft werden können. Bilaterale Darlehen mit Saad und Algosaibi sind nicht bekannt und praktisch nicht zu ermitteln. Nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor’s haben einzelne Institute bei den beiden Saudi-Firmen Forderungen über mehr als 20 Prozent des Eigenkapitals. Die Verbindlichkeiten seien „schwierig, aber beherrschbar“, schrieb S&P in einer gestern veröffentlichten Studie.

Erste Häuser in den VAE legen bereits gezielt Geld für die Zahlungs-Misere der Saudis zur Seite. So reservierte die First Gulf Bank in Abu Dhabi rund 71 Mio. Dollar aus dem geschrumpften Netto-Gewinn des zweiten Quartals. Die Bank folgt damit einem Aufruf von Zentralbank-Gouverneur Sultan Al Suwaidi. Der hatte die lokalen Institute zu „absoluter Transparenz“ bis Ende des Jahres verdonnert. Sie sollten im zweiten Quartal allgemeine Rückstellungen bilden und im dritten Quartal Vorsorge gegen Zahlungs-Ausfälle bei Saad und Algosaibi treffen.

Experten rechnen allerdings damit, dass viele Banken auf Zeit spielen. „Sowohl die Rückstellungen als auch die faulen Kredite werden sich in den Büchern des vierten Quartals 2009 und des ersten Quartals 2010 zeigen: Erst dann weiß man, was mit Saad und Algosaibi wirklich passiert“, sagt Ali Khan von der Investmentbank Arqaam Capital in Dubai.

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