Verlustserie in Großbritannien
Immobilien in Gefahr

Der britische Immobilienmarkt droht in eine ernste Krise zu rutschen: Im November fielen die Hauspreise auf der Insel im dritten Monat in Folge, das ist die längste Verlustserie seit 1995. Gleichzeitig warnte die britische Finanzaufsicht FSA vor möglichen massiven Verwerfungen am Immobilienmarkt. Die Bank of England reagierte.

LONDON. Der Häusermarkt ist von großer Bedeutung für die britische Konjunktur. Da mehr als 70 Prozent der Haushalte Immobilieneigentümer und damit oft hoch verschuldet sind, reagieren die Konsumenten sehr empfindlich auf veränderte Kreditkonditionen und fallende Immobilienpreise. So lange die Hauspreise während des langen Booms stetig stiegen, waren die Briten gerne bereit, ihre Ausgaben für den Konsum auf Kredit zu finanzieren. Jetzt, wo der Wert der Immobilen fällt und höhere Energiekosten immer größere Löcher ins Portemonnaie reißen, wird für viele Verbraucher der finanzielle Spielraum eng. Gestern sackte der Index des Verbrauchervertrauens der Hypothekenbank Nationwide auf den tiefsten Stand seit der Einführung des Marktbarometers im Jahr 2004.

Angesichts der Flut schlechter Nachrichten reagierte die Bank of England (BoE) mit einer Senkung des Leitzinses auf um 25 Basispunkte auf 5,5 Prozent. Selten zuvor warteten die Märkte mit so viel Spannung auf ein Treffen des geldpolitischen Rats der Zentralbank.

Das Dilemma, in der die Notenbank steckt: Auf der einen Seite fürchtet BoE-Gouverneur Mervyn King, dass die weltweite Kreditkrise das Wirtschaftswachstum 2008 abwürgt. Auf der anderen Seite droht der Insel wegen hoher Energie- und Lebensmittelpreise nach wie vor Inflation. Wegen der Ansteckungsgefahr der Krise an den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft haben viele Volkswirte ihre Wachstumsprognosen für Großbritannien für 2008 bereits in Richtung zwei Prozent gesenkt. Für dieses Jahr rechnet die britische Regierung noch einmal mit einem robusten Plus des Bruttoninlandsprodukts von etwa 2,8 Prozent.

Gestern meldete die Großbank HBOS, dass die britischen Hauspreise im November um 1,1 Prozent gefallen seien. Damit hat sich der Preisverfall beschleunigt, im Oktober hatte das Minus noch bei 0,7 Prozent gelegen. „Da draußen sieht es ziemlich schlimm aus“, kommentierte Geoffrey Dicks von der Royal Bank of Scotland die Zahlen. Die Daten seien ein weiterer Indikator für die rapide Verschlechterung der Perspektiven für die britische Wirtschaft.

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