Verschlechterung
Wirtschaft beklagt deutsch-russische Beziehungsprobleme

Der jahrelang stark wachsende Handel zwischen Deutschland und Russland hat deutlich an Schwung verloren. Viele Firmen warnen vor einer möglichen Krise. Die Wirtschaft würde eine engere Anbindung Russlands begrüßen.
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BerlinDeutsche Unternehmen warnen vor einer möglichen Handelskrise zwischen Deutschland und Russland. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (OA) klagten 54 Prozent der befragten Mitgliedsfirmen über eine Verschlechterung des deutsch-russischen Verhältnisses. 44 Prozent wünschen sich einen höheren Stellenwert der Beziehungen in der Politik. "Die deutsche Wirtschaft würde eine Russland-Strategie der Bundesregierung begrüßen, die zu einer engeren Anbindung Russlands und des russischen Marktes an die EU beiträgt", sagte der Chef des Ausschusses Eckhard Cordes in Berlin.

In diesem Jahr hat der jahrelang stark wachsende Handel zwischen Deutschland und Russland deutlich an Schwung verloren. In den ersten vier Monaten 2013 sackte der Gesamtwert von Im- und Exporten um dreieinhalb Prozent ab, sagte Cordes. Allerdings will er dies nicht als Beleg einer generellen Krise zwischen den beiden Ländern verstanden wissen. Das Minus ergebe sich vor allem wegen der um acht Prozent schwächerer Einfuhren. Dies wiederum sei in erster Linie die Folge niedrigerer Ölpreise. Die deutschen Exporte nahmen von Januar bis April zwar weiter um 2,1 Prozent zu. Im Jahr 2012 waren sie aber noch um über zehn Prozent angewachsen. Der Ausschuss geht davon aus, dass die deutschen Exporte nach Russland und in die benachbarte Region in diesem Jahr insgesamt um etwa drei Prozent wachsen. Im Vorjahr waren es acht Prozent.

OA-Vize-Chef Johannnes Teyssen, Vorstandschef des deutschen Energieriesen E.ON, forderte in der deutschen Politik und Gesellschaft eine differenziertere Diskussion über Russland. Trotz mancher Kritik, es mangele an Demokratie, sei in Russland kein grundlegender Wandel zum Schlechteren auszumachen. "Nein, ich sehe keinen Grund, schon von einer Trendwende zu sprechen", sagte er. Über die kurzfristige Entwicklung dürfe man die langfristige nicht aus den Augen verlieren. Das bedeute nicht, dass man mit Kritik hinter dem Berg halten müsse.

Cordes plädierte dafür, Russland die Chance zu geben, "sich anzudocken an die westeuropäische Welt". Teyssen verwies darauf, dass sich die Rahmenbedingungen für Öl- und Gasgeschäfte mit Russland, nicht zuletzt wegen des Booms von Schiefer-Gas und Schiefer-Öl, grundlegend wandelten. Russland mit seinen Rohstoffvorkommen müsse sich wachsender Konkurrenz stellen. Teyssen hält es für falsch, von einer Abhängigkeit Europas von russischen Energielieferungen zu sprechen. Eine Gefahr für die hiesige Versorgungssicherheit durch Russland sieht er nicht. "Ich halte das eher für ein extrem unwahrscheinliches Ereignis, dass aus Russland eine Versorgungskrise für Europa entsteht", unterstrich er.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Wirtschaft fordert völlig zu Recht die Schaffung bzw. Erhaltung eines politischen Klimas, unter dem der Handel
    bestens gedeihen kann. Eine florierende Wirtschaft ist der wichtigste - vielleicht sogar alleinige - Garant für die Lebensfähigkeit der westlichen Demokratie. Deren Zustimmung gründet sich wohl weit weniger auf das Hirn, als auf den Bauch. Deshalb gilt die Forderung der Wirtschaft nicht nur eigenwirtschaftlichen, sondern vor allem sozialstaatlicher Interessen. Vernünftige Regierungspolitik wird beachten, dass neben den Wohlstandinteressen unseres Volkes auch ein entkrampftes Klima mehr Chancen für den kritischen Dialog eröffnet. Die ausschließliche Negativauswahl von Nachrichten seitens der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten wird zuerst die Kommunikationswege für den politischen Diskurs und danach die Handelsverbindungen blockieren. Wie man damit Eigentore schießt, haben die Briten überzeugend vorgeführt; nun müssen sie sogar gegen Sanktionsbestimmungen (s. Medienbericht über Iran-Geschäfte) verstoßen, um den eigenen Schaden zu begrenzen.

  • Aha ! Die offizielle NATO-Politik, die von den USA vorgegeben wird und die Erdgas-und Erdöl-Vorräte um Griechenland und Zypern sind also "Dampfblasen" ? Ich wette, Sie waren weder einmal in Russland, noch haben Sie je mit einem Russen geredet, oder waren schon mal ostwärts der Elbe. Ihre Diskussion ist einfach zu infantil ! Es sind offensichtlich v.a. Menschen Ihres Schlages, die eine vernünftige Ostpolitik verhindern ! Schönen Tag noch !

  • @ Wahrsager

    Zitat : Wer das nicht selbst erlebt hat, sollte sich kein Urteil erlauben...

    ******************************************************************************

    Das war nicht die Antwort auf die Frage !

    Wenn Sie sich nur Urteile davon erlauben, was Sie erlebt haben, müßen Sie ja ziemlich eingeschränkt sein..?!!!

    Und das, wie Sie selbst erlebt haben, können viele anderen ganz anders erlebt haben !

    Sie geben nur Dampfblasen von sich !

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