Vertrauensvorschuss
ZEW-Indikator steigt stärker als erwartet

Die Belebung der US-Konjunktur sowie gute Auftragseingänge und Unternehmensgewinne in Deutschland haben die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten einer Umfrage zufolge beflügelt.

Reuters BERLIN. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Saldo der Konjunkturerwartungen der befragten Analysten und institutionellen Anleger stieg nach Angaben vom Dienstag unerwartet deutlich auf 52,5 von 41,9 Punkten im Juli. „Der Optimismus der Finanzanalysten bleibt ungebrochen; wahrscheinlich ist dies ein Vertrauensvorschuss auf die erhoffte Konjunkturerholung im nächsten Jahr“, erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Volkswirte warnten allerdings vor zu viel Euphorie. „Im dritten Quartal müssen der Auftragseingang und die Industrieproduktion ansteigen, damit wir sagen können: Die Wende ist geschafft und es geht jetzt wirklich aufwärts“, sagte Ulrike Kastens vom Sal. Oppenheim.

Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf 47,0 Zähler gerechnet. Der Indikator kletterte nun im achten Monat in Folge und liegt damit seit zwei Monaten über seinem historischen Mittelwert von 33 Punkten. Das ZEW führte den Anstieg auf die jüngste Belebung der US-Konjunktur, die positiven deutschen Auftragseingänge im Juni sowie unerwartet gute Ergebnisse einiger deutscher Firmen zurück. Sowohl der Konsum als auch der Außenbeitrag hätten sich in den USA zuletzt überraschend stark verbessert.

Volkswirte interpretierten den ZEW-Indikators nur äußerst vorsichtig. „Ich würde den ZEW-Indikator von der Richtung her kaufen - eine leichte Erholung erwarte ich auch - aber das Ausmaß nicht unbedingt für bare Münze nehme“, sagte Thomas Hueck von der Hypovereinsbank. „Wir müssen jetzt abwarten, ob sich endlich die Lagekomponente des Ifo-Index verbessert.“ Kastens verwies darauf, dass positive Konjunktursignale aus den USA stets mit einer Zeitverzögerung verbunden wären. „Es hat zwar eine Belebung bei der US-Konjunktur gegeben“, sagte die Analystin. „Aber die Wende in Deutschland ist noch nicht geschafft. Wir befinden uns noch in der Talsohle.“

Im ersten Halbjahr steckte die deutsche Wirtschaft in einer Rezession, da sie sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal leicht geschrumpft war.

Das Stimmungsbarometer für die Euro-Zone legte den ZEW-Angaben zufolge auf 58,1 von 50,5 Punkten im Juli zu. Das ZEW befragt monatlich gut 300 Analysten und institutionelle Anleger zu ihren mittelfristigen Erwartungen hinsichtlich Konjunktur, Zinsen, Aktien- und Wechselkursen. Der Saldo der Konjunkturerwartungen gibt die Differenz der positiven und der negativen Einschätzungen für die Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten wider.

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