Verwirrung an den Finanzmärkten
Bernanke bereut Zinsplauder mit Reporterin

Mit seinen Äußerungen zur Zinspolitik in einem Gespräch mit einer CNBC-Reporterin hatte US-Notenbank-Chef Ben Bernanke Anfang des Monats für erhebliche Verwirrung an den Finanzmärkten gesorgt. Im Nachhinein bezeichnet er dies als Fehler.

HB WASHINGTON. Ihm sei damals ein Lapsus unterlaufen, der sich nicht wiederholen werde, sagte Bernanke vor dem Banken-Ausschuss des US-Senats am Dienstag. „In Zukunft wird meine Kommunikation mit der Öffentlichkeit und mit den Märkten voll und ganz über die regulären und formalen Kanäle laufen.“

Bernanke, der erst vor wenigen Monaten den Vorsitz bei der mächtigsten Notenbank der Welt von Alan Greenspan übernommen hat, war Anfang Mai durch Aussagen zur Zinspolitik gegenüber der bekannten Reporterin Maria Bartiromo des TV-Senders CNBC erheblich unter Druck geraten. Bartiromo hatte mit Bernanke an einem Samstag am Rande eines Abendessens der „White House Correspondents' Association“ gesprochen.

In ihrer Sendung am darauf folgenden Montag von der Börse Chicago aus erklärte sie, Bernanke habe ihr am Wochenende gesagt, dass ihn die Medien und die Märkte mit ihren Spekulationen über ein Ende der Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed im Wesentlichen falsch verstanden hätten. Auch habe der Fed-Chef ihr gesagt, es sei Besorgnis erregend, wenn er nicht als ein entschiedener Bekämpfer der Inflation gesehen werde. Bernanke hatte zuvor noch angedeutet, die weitere Zinspolitik der Fed sei flexibel und hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Einige Marktteilnehmer schlossen daraus, dass er das Thema Inflation sanfter angehen könnte.

Bartiromos Bericht beschwor daher innerhalb von Sekunden Spekulationen über erneute Zinserhöhungen herauf. Noch während der CNBC-Sendung brach für die Zuschauer sichtbar auf dem Börsenparkett Hektik aus. Die US-Börsen und Staatsanleihen gaben deutlich nach. Der Dollar legte indes zu, weil Händler den Bericht als Zeichen sahen, dass die Fed ihren im Sommer 2004 eingeschlagenen kontinuierlichen Zyklus der Zinserhöhungen doch beibehalten könnte. Auch Tage nach dem CNBC-Bericht hatten Händler erklärt, die Märkte seien durch Bernankes Äußerungen noch immer verunsichert.

Viele Marktteilnehmer konnten es nicht fassen, dass der Chef der mächtigsten Notenbank der Welt ausgerechnet auf einem in erster Linie gesellschaftlichen Ereignis wie einem prominent besetzten Journalisten-Dinner bei einem kurzen Plausch seine Aussagen zur Zinspolitik klarstellen würde. „Die Vorstellung, dass der Chef der US-Notenbank seine Politik auf Dinner-Partys außerhalb der Dienstzeiten über Reporter eines Sendernetzwerkes verbreitet, ist absurd“, ereiferte sich etwa Steen Jakobsen von der Saxo Bank. „Ehrlich gesagt, denke ich, dass das der Fed geschadet hat und dass Bernanke ernsthaft an Glaubwürdigkeit verloren hat.“

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