Viele Haushalte haben sich noch nicht mit Heizöl eingedeckt – Konsum geht weiter zurück
Verbrauchern droht neuer Preisschock

Auf die deutschen Verbraucher rollt die nächste Belastungswelle durch den hohen Ölpreis zu. In der trügerischen Hoffnung, der Höhenflug an den Rohölmärkten würde abbrechen, haben sich viele Haushalte noch nicht mit Heizöl für den Winter eingedeckt – und müssen das jetzt zum Rekordpreis von 64 Euro pro 100 Liter nachholen. Und auch den Erdgaskunden geht es ans Portemonnaie. Ihnen steht zum 1. Oktober die nächste Preiserhöhungsrunde ins Haus.

HB DÜSSELDORF. Die Tanks der rund 6,5 Millionen mit Öl heizenden deutschen Haushalte waren nach Berechnungen von Shell Ende Juni im Durchschnitt zu weniger als 44 Prozent gefüllt. Das ist der tiefste Wert, der jemals in der Statistik erreicht wurde. „Daran hat sich bisher kaum etwas geändert“, berichtet Rainer Wiek vom Energie Informationsdienst (EID). Jeder dritte deutsche Haushalt heizt noch mit Öl.

In einem Jahr ist der Preis für Heizöl um 40 Prozent in die Höhe geschnellt. Wer heute seinen Tank vollständig füllen will, muss im Schnitt mit Kosten von 1 900 Euro rechnen. Das sind gut 630 Euro mehr als ein Jahr zuvor. „Die Dynamik beim Heizöl ist derzeit noch größer als beim Benzin“, sagt der EID-Experte Wiek. Das gilt ähnlich für den Gaspreis, der weitgehend an die Ölpreisentwicklung gekoppelt ist – wenn auch zeitverzögert und geglättet. Anfang Oktober, mit dem Beginn des Gaswirtschaftsjahres, rollt dort die nächste Preiswelle an.

Dabei haben die Gasimporteure wie Eon Ruhrgas zuletzt bereits mehrmals die Preise, die sie den Kommunalversorgern in Rechnung stellen, angehoben. Um 34 Prozent lagen die Importpreise im Juni höher als noch ein Jahr zuvor. Nach aktuellen Prognosen werde sich die Entwicklung auch in den kommenden Monaten fortsetzen, erklärt der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW).

Das schröpft die Haushaltskasse. Rund neun Prozent des privaten Warenkorbs machen Strom, Gas und andere Brennstoffe sowie Kraft- und Schmierstoffe aus. Nach Berechnungen der Commerzbank trugen die hohen Energiekosten allein 0,9 Punkte zum aktuellen Anstieg der Verbraucherpreise bei. Jörg Hinze, Konjunkturexperte des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), erwartet daher keine Erholung des privaten Verbrauchs im dritten Quartal: „Ich rechne eher mit einem weiteren Rückgang.“ Im zweiten Quartal war der private Verbrauch bereits um 0,3 Prozent gesunken.

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