Viele Orders aus dem Ausland
Auftragslage in Deutschland erstaunlich gut

Die deutsche Industrie hat im Juni deutlich mehr Aufträge erhalten als erwartet. Der Auftragseingang sei im Vergleich zum Mai saisonbereinigt um 2,3 % gestiegen, teilte das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) am Mittwoch mit. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg um 0,8 % gerechnet, nachdem die Aufträge im Mai noch um 2,6 % eingebrochen waren.

Reuters BERLIN. Im Vergleich zum Juni 2002 lag das Ordervolumen nach Reuters-Berechnungen auf Basis von Bundesbank-Daten um 1,1 % niedriger. Die Volkswirte hatten im Jahresvergleich ein Minus von 2,6 % erwartet.

„Der zuletzt zu verzeichnende Orderzuwachs beruhte auf einem kräftigen Anstieg der Bestellungen aus dem Ausland um 5,7 %, während sich die Inlandsbestellungen leicht (minus 0,5 %) verringerten“, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Zudem habe es im Juni überdurchschnittlich viele Großaufträge gegeben.

Der Auftragseingang der Industrie ist ein wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung. Die Daten können aber von Monat zu Monat etwa wegen Großaufträgen stark schwanken. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Mai/Juni zu März/April sank das Auftragsvolumen um 0,7 %.

Vorleistungsgüterproduzenten erhielten den BMWA-Angaben zufolge 1,2 % mehr Aufträge als im Mai. Die Bestellungen von Investitionsgütern stiegen um 4,3 %, die Konsumgüterhersteller verbuchten hingegen ein Minus von 2,5 %. Die westdeutsche Industrie erhielt den Angaben zufolge 2,6 % mehr Aufträge, die Bestellungen in Ostdeutschland gingen indes um 1,3 % zurück.

Analysten zu deutschem Auftragsplus im Juni:

Daniela Etschberger, Dresdner Kleinwort Wasserstein:
„Der Anstieg war stärker als wir erwartet hatten. Die Daten zeigen, dass die Auslandsnachfrage anscheinend angezogen hat. Der starke Euro hat die Aufträge im vorangegangenen Monat beeinflusst, aber die jüngste Abschwächung der Währung könnte zu einem Aufholeffekt geführt haben. Das Ministerium hat darauf verwiesen, dass hinter dem Anstieg Großaufträge steckten, was bedeutet, dass der Zuwachs wohl ein Einmaleffekt war. Andere Frühindikatoren, wie der Einkaufsmanagerindex, haben eine Verbesserung bei den Aufträgen angedeutet, und es ist positiv, dass sich das in den harten Fakten widerspiegelt. Die Nachfrage scheint sich zu erholen, und es gibt viel Spielraum für Aufholeffekte, da viele Firmen in den letzten Monaten nur das Nötigste investiert haben. Daher sollte es in den kommenden Monaten klare Anzeichen für Verbesserung geben.“

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim:
„Die gute Nachricht ist: Man kann sagen, dass die Talsohle in der Industrie erreicht worden ist. Das negative Ergebnis aus dem Vormontat wurde nahezu kompensiert - vor allem bei den Auslandsaufträgen. Man muss aber auch sehen, dass der Mai wegen der Brückentage verzerrt war und die Statistik nun auch wegen der Großaufträge etwas verzerrt ist. Jetzt zu sagen, der Aufschwung ist schon da, ist aber noch viel zu früh. Die Inlandsnachfrage ist noch zu schwach, das Ergebnis war ja hauptsächlich dem Ausland geschuldet. Wir müssen schauen, ob es im Juli und August zu einer Stabilisierung kommt. Wir rechnen im zweiten Halbjahr allgemein mit einer wirtschaftlichen Belebung, die aber moderat ausfallen wird. Im zweiten Quartal erwarten wir ein leichtes Minus beim BIP, weil die Produktion so niedrig ist.

Ulla Lahl, Mizuho Corporate Bank:


„Das hat fast den Rückgang vom Vormonat wieder wettgemacht. Sehr positiv ist, dass die inländische Nachfrage im Zweimonatsvergleich keinen Rückgang mehr ausweist. Für das zweite Quartal sieht es immer noch dramatisch aus mit einem Rückgang von fast zwei Prozent bei den Aufträgen, was eigentlich nicht auf einen Produktionsanstieg im dritten Quartal schließen lässt. Wenn sich Vorlaufindikatoren bestätigen, denke ich schon, dass wir bis zum Jahresende eine Erholung sehen werden. Im zweiten Quartal wird sich das BIP zum Vorquartal wohl nicht verändern.“

Klaus Bader, Lehmann Brothers, London:
„Das sind freundliche Nachrichten. Wir sind aber sicherlich erst am Anfang einer Erholungsphase. Im zweiten Quartal lag der Auftragseingang insgesamt um 1,9 % unter dem Vorquartal. Es gibt also keinen Grund zur Euphorie. Die ersten Anzeichen für den Juli sind aber ganz positiv, so hat der jüngst veröffentlichte Reuters-Einkaufsmanagerindex beim Auftragseingang einen Sprung nach oben gemacht. Auf den starken Anstieg der Auslandsorders im Juni gebe ich nicht so viel, dabei handelt es sich eher um eine Korrektur zum Vormonat. Das BIP dürfte im zweiten Quartal stagniert haben und im dritten und vierten Quartal zum Vorquartal leicht anziehen. Wie stark die konjunkturelle Erholung im nächsten Jahr ausfallen wird, hängt dann stark von der Entwicklung des Euro-Kurses ab.“

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