"Viele Schuldner überblicken kaum mehr ihren finanziellen Spielraum"
Rekord an Privatinsolvenzen

Nach Angaben der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel hat es noch nie so viele Insolvenzen von Privatleuten gegeben.

HB HAMBURG. Es hat noch nie so viele Insolvenzen von Privatleuten, Selbstständigen und Kleinbetrieben gegeben wie im 1. Halbjahr 2003. 32 060 private Insolvenzanträge gingen nach Angaben der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel vom Donnerstag in den ersten sechs Monaten bei den Gerichten ein, 50,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit habe die Zahl der privaten Pleiten schon jetzt rund zwei Drittel der Zahl von 2002 (43 700) erreicht. Für das Gesamtjahr prognostiziert Bürgel mehr als 60 000 Privatinsolvenzen. Als Gründe für den Anstieg wurden Neuerungen im Insolvenzrecht und die hohe Arbeitslosigkeit angeführt.

Rund zehn Prozent aller deutschen Haushalte seien nicht in der Lage, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. „Viele Schuldner überblicken kaum mehr ihren finanziellen Spielraum“, sagte Bürgel-Direktor Johan Zevenhuizen. Ratenzahlungen für Konsumartikel, Autos, Wohnungen und „sogar Reisen“ überhäuften sich. Überschuldete Haushalte stünden durchschnittlich bei sieben Gläubigern in der Kreide. „Die Privatinsolvenz ist für viele nicht nur die Rettung aus der Schuldenfalle, sondern vor allem für das Kleingewerbe auch die Chance auf einen neuen schuldenfreien Anfang“, erläuterte Zevenhuizen. Die Gläubiger gingen meistens jedoch leer aus.

In Berlin schnellte die Zahl der Privatinsolvenzen um fast 133 Prozent auf 1818 Fälle hoch, auch im Saarland stieg sie um mehr als das Doppelte auf 802 Fälle. In den Stadtstaaten Bremen und Hamburg wurde ein Zuwachs von 36 Prozent auf 598 Fälle beziehungsweise 23 Prozent auf 938 registriert.

In den anderen Bundesländern lag der Zuwachs zwischen 8,7 Prozent in Brandenburg und 82 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Schleswig- Holstein legte um ein Viertel auf 1425 Fälle zu. Als einziges Bundesland verzeichnete Sachsen-Anhalt einen Rückgang von rund 5,8 Prozent auf 1112 Fälle. Als mögliche Erklärung für die auch vergleichsweise moderaten Zuwächse in Brandenburg und Mecklenburg- Vorpommern (plus 12,3 Prozent) führte Bürgel an, dass Verbraucher in Ostdeutschland auf Grund der wirtschaftlichen Situation und „Schuldenerfahrung in der Vergangenheit“ etwas vorsichtiger mit Kreditaufnahmen und Ratenverträgen umgingen.

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