Vier Fragen an Klaus Wübbenhorst: GfK: Konjunkturpaket wird Rezession abmildern

Vier Fragen an Klaus Wübbenhorst
GfK: Konjunkturpaket wird Rezession abmildern

Das Konjunkturpaket der Bundesregierung dürfte die Konsumfreude der Deutschen zumindest etwas erhöhen. Damit rechnet der Vorstandsvorsitzende der GfK AG, Klaus L. Wübbenhorst, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Wird der private Konsum 2009 das rückläufige Außenhandelsgeschäft teilweise kompensieren?

Nach derzeitigem Stand sieht es so aus, als könnte er einen Teil der Rückgänge auffangen - allerdings wird er den Export als Konjunkturmotor nicht vollständig ersetzen können. Dafür bewegt sich das Konsumklima momentan auf zu niedrigem Niveau. Dennoch konnte der Konsum bisher der Krise trotzen und hat sich über die letzten Monate hinweg stabil und erstaunlich widerstandsfähig gezeigt.

Wie kann die Konsumfreude der Deutschen 2009, aber auch auf lange Sicht erhöht werden?

Hier kommt der Politik eine wesentliche Rolle zu: Sie muss weiter Vertrauen schaffen und Maßnahmen umsetzen, die die Verbraucher finanziell entlasten. Hierzu sagen wir schon seit langem, dass mehr Netto vom Brutto in der Lohntüte verbleiben muss, damit die Bürger einen größeren finanziellen Spielraum haben. Langfristig ist es zudem notwendig, den Reformprozess fortzusetzen und nicht auf wahltaktische Maßnahmen zu setzen. Vertrauen schaffen ist insbesondere mit Blick auf die bevorstehenden Herausforderungen das A und O, um die Konsumstimmung zu stützen. Steuern und Abgaben sind hierzulande trotz einiger Nachbesserungen immer noch zu hoch. Das belastet die Haushalte und hemmt Investitionen.

Werden die im Rahmen des Konjunkturpakets von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen die Konsumfreude erhöhen?

Aus Verbrauchersicht sind alle Maßnahmen positiv zu bewerten, die zu einer Entlastung der Konsumenten führen und den Arbeitsmarkt stützen. Zwar wird das jetzt beschlossene Entlastungspaket die aktuelle Krise nicht aufhalten können. Dennoch kann es zu einer Stabilisierung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes und damit zu einer Milderung der Rezession und der Angst vor Arbeitslosigkeit führen. Hier spielt aus unserer Sicht auch ein anderer Aspekt eine wichtige Rolle: Neben dem tatsächlichen Umfang der Entlastung wirkt sich das Paket auch psychologisch positiv aus, indem es den Bürgern signalisiert, dass die Politik mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, die Rezession abzumildern.

Woran liegt es, dass die Deutschen als "Angstsparer" gelten?

Mit einer Sparquote von zuletzt über elf Prozent gehört Deutschland sicherlich zu den internationalen Spitzenreitern und ist damit besonders sparfreudig. Dass die Sparneigung hierzulande besonders ausgeprägt ist, ist letztlich auch ein Ausdruck eines eher vorsichtigen Wirtschaftens und Konsumierens. Wenn die Sparquote um nur einen Prozentpunkt sinken würde, würden mehr als 15 Milliarden mehr für den Konsum zur Verfügung stehen.

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