Vitor Constancio
Rennen um EZB-Vize-Posten nimmt Tempo auf

Die Konkurrenten um den Posten des neuen Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank laufen sich warm: Portugal nominiert seinen Notenbankgouverneur Vitor Constancio als Kandidaten für den im Mai ausscheidenden Lucas Papademos. Aber auch Belgien und Luxemburg wollen das Amt.
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FRANKFURT. Die portugiesische Regierung hat ihren Zentralbankgouverneur Vitor Constancio als Kandidaten für die Nachfolge von Lucas Papademos im Amt des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) ins Rennen geschickt. Premier Jose Socrates habe seine Kandidatur in Brüssel angemeldet, „jetzt ist es offiziell“, sagte Constancio in Lissabon. Papademos scheidet Ende Mai nach achtjähriger Amtszeit aus.

Contancio ist bereits der dritte Bewerber für die begehrte Vakanz im Euro-Tower. Als Erster hatte Ende Oktober der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker seinen Zentralbankchef Yves Mersch als Kandidaten benannt. Anfang Dezember gab die belgische Regierung die Kandidatur von Peter Praet, Mitglied des Vorstands der belgischen Notenbank, bekannt. Laut Juncker, der auch Präsident der Euro-Gruppe ist, sind bis Mitte Dezember noch weitere Bewerbungen möglich.

Kandidaten kommen traditionell aus kleinen Euro-Ländern

Aber auch ohne zusätzliche Kandidaten wird es spannend. Bisher kommen alle Kandidaten aus kleinen Euro-Ländern, die traditionell den EZB-Vize stellen sollen. Diese Lösung hatte noch der erste EZB-Chef, Wim Duisenberg, angeregt. Zudem soll vorzugsweise ein Kandidat aus dem Land kommen, das in europäischen Gremien noch nicht angemessen repräsentiert ist. Das verkompliziert die Kandidatenwahl: Denn José Manuel Barroso, gerade wiedergewählter Präsident der EU-Kommission, kommt wie Constancio aus Portugal. Herman Van Rompuy, der erste EU-Präsident, ist ein Landsmann von Praet. Und Juncker dürfte noch Mitte Januar im Amt des Präsidenten der Euro-Gruppe bestätigt werden, womit Mersch der zweite Luxemburger in einem herausgehobenen europäischen Amt würde.

Damit wären die EU-Finanzminister, die eine Vorentscheidung über die Nachfolge zu treffen haben, wieder auf den Vertrag von Maastricht zurückgeworfen: den neuen Vize „aus dem Kreis der in Währungs- und Bankfragen anerkannten und erfahrenen Persönlichkeiten“ auszuwählen.

Thomas Mayer, der designierte Chefvolkswirt der Deutschen Bank, teilt die Einschätzung vieler Volkswirte, dass die Kandidaten „zweifellos alle geeignet sind“. Gerade aus diesem Grund sei es möglich, dass noch weitere Anwärter eine gute Chance hätten.

Mersch kennt nicht nur die EZB seit ihren Anfangstagen. Er war schon als Vertreter des luxemburgischen Finanzministeriums in die Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht eingebunden. Der luxemburgischen Zentralbank steht er seit ihrer Gründung im Juni 1989 vor. Auch auf internationalem Parkett ist er zu Hause.

Alle drei Kandidaten gelten als geeignet

Schwere Bedenken gegen Mersch hat bisher Ipso, die einzige offiziell anerkannte Gewerkschaft in der EZB, geäußert. Der Notenbankchef hat sich mit den Arbeitnehmervertretern in seiner Zentralbank überworfen. Die Arbeitnehmervertreter sind besorgt, die Nominierung eines Vizepräsidenten, der keinen Wert auf einen funktionierenden sozialen Dialog lege, könnte bisher erreichte Fortschritte auf diesem Gebiet gefährden.

Auch Constancio beherrscht das Geschäft der Notenbanker. Er war von 1985 bis 1986 schon Gouverneur der Banco de Portugal, seit 2000 ist er es wieder. Die Frage ist nur, ob Constancio mit jetzt 66 Jahren für das Amt nicht zu alt ist. Zum Ende seiner Amtszeit wäre der Portugiese 74 Jahre alt. Das wäre akzeptabel, wenn es sonst keine Alternativen gäbe. Aber Mersch und Praet sind mit 60 Jahren deutlich jünger. Praet war zwar nie Gouverneur, gehört dem Direktorium der belgischen Zentralbank aber seit 2000 an. Er ist ein ausgewiesener und international anerkannter Fachmann für Finanzstabilität, ein Gebiet, das er vermutlich auch als EZB-Vize unter sich haben würde. Bei der führenden Rolle, die die EZB in dem neuen „European Systemic Risk Board“ spielen soll, wäre Praet eine geeignete Besetzung.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin

Kommentare zu " Vitor Constancio: Rennen um EZB-Vize-Posten nimmt Tempo auf"

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  • Vitor constancio ? are you joking , is it not enough what he did in Portugal (Bpn case and others) and on top of it being awarded with the vice presidency of the BCE .
    If you Germans are so worried with having to pay for the Portuguese and other Europeans debt crisis, how come you don’t make sure that the European Community politicians don’t award themselves and their fellows with places and tasks for which they are not suitable as politicians.
    Do you even worry with the message you send to the people in these countries , that see unfit and unprofessional politicians to say the least being awarded ? Really , does anyone really care? Not even the german press ?
    Portuguese citizen

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