Volkswirte
Der deutsche Arbeitsmarkt lahmt

Im August steigt die Arbeitslosigkeit traditionell an. Denn es ist Urlaubszeit in Deutschland und Einstellungen werden auf das Ferienende verschoben. In diesem Jahr erwarten Experten auch im Herbst kaum noch Dynamik.
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NürnbergDie erwartete leichte Zunahme der Arbeitslosigkeit im August liegt nach Einschätzung von Volkswirten an der üblichen Sommerflaute. Doch spätestens zum Jahresende hin rechnen die Experten mit einer grundlegenderen Eintrübung des Arbeitsmarktes - als Folge der schwachen Konjunktur und der vielen internationalen Krisen. Auch der Mindestlohn könnte sich dann verschärfend auf die Situation am Jobmarkt auswirken. Zuletzt waren in Deutschland 2,871 Millionen Menschen auf Stellensuche. Die offiziellen Zahlen für August veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag (28.8.).

Volkswirte erwarten einen leichten Anstieg der Erwerbslosen um rund 20.000, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Bereinigt um saisonale Faktoren wie der jährlich wiederkehrenden Sommerflaute sehen sie im Schnitt eine minimale Abnahme. „Ich gehe davon aus, dass die positive Grundtendenz am Arbeitsmarkt noch anhält, obwohl es konjunkturell doch ein bisschen Gegenwind gibt“, sagte Heiko Peters von der Deutschen Bank.

Das schwache zweite Quartal werde sich aber noch nicht jetzt in den Arbeitsmarktzahlen bemerkbar machen, betonte Peters. Als Faustregel gilt, dass Schwankungen der Konjunktur sich mit einer Verzögerung von vier bis sechs Monaten auf den Arbeitsmarkt auswirken.

Auch Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank sieht deshalb derzeit „keine starken Impulse weder für einen Stellenaufbau noch für einen Stellenabbau“. Der leichte Anstieg im August sei in erster Linie durch Saisoneffekte begründet. „Die Unternehmen sind in der Ferienzeit zurückhaltend mit Neueinstellungen, die werden erst im Herbst getätigt.“ Außerdem beginnen dann viele Schulabgänger mit ihren Ausbildungen, die derzeit noch als arbeitslos registriert sind.

Für die kommenden Monate sind die Experten skeptischer. „Die Beschäftigungsdynamik bleibt noch ein bisschen erhalten, aber die Arbeitslosigkeit wird im günstigsten Fall stagnieren“, erläuterte Vera Schubert von der KfW Bankengruppe. Zumal der Anstieg der Erwerbstätigkeit auch in der Vergangenheit schon nicht im gleichen Maße zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit geführt habe, wie Steffen Henzel vom Ifo-Institut ergänzte. Viele neu geschaffenen Stellen gehen derzeit nämlich nicht an Erwerbslose, sondern an qualifizierte Zuwanderer oder Rückkehrer aus der Elternzeit.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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