Volkswirte
Keine nachhaltige Konjunkturbelastung erwartet

Nach Einschätzung von Banken-Volkswirten dürfte die Anschlagserie in Madrid die Konjunktur in Europa nicht nachhaltig belasten.

HB BERLIN. Bernd Weidensteiner von der DZ Bank sagte Reuters am Freitag: „Für unsere Konjunktur-Prognosen hat das bisher noch keine Wirkung.“ An den Finanzmärkten sehe das allerdings anders aus. Dort sei „die Terror-Risikoprämie nach Monaten der Ruhe wieder gestiegen“. Am Tag nach den Bombenanschlägen auf Pendlerzüge in der spanischen Hauptstadt verkauften Anleger vor allem Touristikwerte aus Angst, Urlauber könnten in nächster Zeit vor Reisen nach Spanien zurückschrecken. Vor allem die Furcht vor weiteren Anschlägen beeinflusste die Investitionsentscheidungen.

Weidensteiner sagte, es sei noch zu früh, um über konjunkturelle Auswirkungen zu spekulieren, vor allem, solange die Urheberschaft noch nicht geklärt sei. Die spanischen Behörden ermitteln unter anderem, ob die baskische Separatistenorganisation ETA oder möglicherweise die moslemische Extremistengruppe El Kaida hinter den Anschlägen stehen.

Daniela Etschberger von Dresdner Kleinwort Wasserstein sagte, die Ereignisse in Madrid könnten den Ausblick für den Konsum und Branchen wie den Tourismus noch beeinträchtigen. „Aber wir haben sowieso schon eine relativ pessimistische Prognose mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr, von daher denken wir nicht über eine neue Prognose nach“, fügte sie hinzu. Ralph Solveen von der Commerzbank sagte: „Ob es El Kaida oder die ETA war, wird an der Zahl der Toten nichts ändern.“ Er sehe aber keinen Grund für eine neue Konjunkturprognose. „Wir waren uns immer eines gewissen Terror-Risikos bewusst. Das ist einfach da und wird auch in den nächsten Jahren da bleiben.“

Invesco-Analyst Jörg Krämer sagte, wenn El Kaida hinter den Anschlägen in Madrid stehe, „dann kann das im Bewusstsein der Menschen der 11. März Europas werden nach dem 11. September in den USA“. Aber auch dort seien die Anschläge konjunkturell gut weggesteckt worden. Krämer erinnerte daran, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA kurz nach den Anschlägen vom 11. September einsetzte.

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