Volkswirte rechnen nach positiven Wirtschaftsdaten mit moderater Erholung im zweiten Halbjahr
Euro-Zone trotzt hohem Ölpreis

In der Euro-Zone dürfte die moderate Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte trotz der massiven Ölpreisanstiege weitergehen. Darauf deutet nach Ansicht von Volkswirten eine Reihe von gestern veröffentlichen Wirtschaftsdaten hin. „Im zweiten Halbjahr dürfte sich das Wachstum im Euro-Raum moderat beschleunigen“, sagt Jean Mercier, Ökonom bei der Citigroup.

doh/ost DÜSSELDORF.Das Wirtschaftsklima im Euro-Raum hat sich im dritten Quartal stabilisiert und die Industrieproduktion ist im Juni gestiegen. Die Inflation im gemeinsamen Währungsraum war zwar wegen der Ölpreisanstiege auch im Juli etwas höher als von der Europäischen Zentralbank (EZB) angepeilt, Zeichen für eine beschleunigte Geldentwertung auf breiter Front gibt es aber nach wie vor nicht. „Das dürfte die Europäische Zentralbank etwas beruhigen“, sagt Holger Fahrinkrug, Volkswirt bei der Schweizer Großbank UBS. Durch die Inflationsentwicklung verringere sich die Dringlichkeit von Leitzins-Erhöhungen durch die EZB. Höhere Leitzinsen wären eine weitere Belastung für die Konjunktur im Euro-Raum.

Die deutlichen Ölpreisanstiege der vergangenen Wochen hatten bei Volkswirten Sorgen vor einem erneuten Konjunkturrückschlag im zweiten Halbjahr erhöht. Seit der zweiten Juli-Hälfte war der ohnehin hohe Preis für ein Barrel (159 Liter) Brentöl zeitweise um mehr als 20Prozent auf über 66 US-Dollar gestiegen.

Das Wirtschaftswachstum der Euro-Zone hatte sich im zweiten Jahresviertel bereits spürbar verlangsamt. Das reale Bruttoinlandsprodukt legte im Vorquartalsvergleich nur um 0,3 Prozent zu. Zu Jahresbeginn hatte es noch ein Plus von 0,5 Prozent gegeben. „In der Industrie dürfte sich die Situation im dritten Quartal aber wieder graduell verbessern“, erwartet Fahrinkrug.

Die Stimmung in der Euro-Zone hat sich bereits stabilisiert. Der vierteljährliche Wirtschaftsklima-Index des Ifo-Instituts für die Euro-Zone blieb im Juli stabil auf 78,8 Punkten. „Das dürfte die erste Stufe einer Erholung sein“, sagt Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb. Zuvor war das Barometer drei Quartale in Folge gesunken und hatte im zweiten Jahresviertel 2005 den niedrigsten Stand seit dem Herbst 2003 erreicht. „Während sich die Urteile zur aktuellen wirtschaftlichen Situation weiter verschlechterten, verbesserten sich die Erwartungen für die kommenden sechs Monate“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Sein Institut ermittelt das Wirtschaftsklima für den Euroraum vierteljährlich mittels einer Befragung von mehr als 300 Großunternehmen und Institutionen der Euro-Zone.

Für eine zumindest moderate Konjunkturbelebung im zweiten Halbjahr sprechen nach Ansicht von Volkswirten auch die gestern veröffentlichten Daten zur Industrieproduktion: Im Vergleich zum Vormonat gab es im Juni ein leichtes Plus von 0,3 Prozent, nachdem die Produktion im Mai noch um 0,4 Prozent geschrumpft war. „Die Industrieproduktion hat die Talsohle hinter sich, auch wenn die Erholung bislang sehr milde ist“, sagt Citigroup-Ökonom Mercier.

Bei der Inflationsentwicklung hinterlassen die Ölpreisanstiege dagegen seit Monaten deutliche Spuren. Die Teuerung lag im Juli mit 2,2 Prozent nach 2,1 Prozent im Juni erneut über der von der EZB angestrebten Rate von „unter, aber nahe bei zwei Prozent“. Fast die Hälfte der Geldentwertung wurde durch die starken Energiepreisanstiege verursacht. Klammert man Energie aus der Inflationsberechnung aus, stiegen die Preise im Jahresvergleich nur um 1,3 Prozent. „Die Verteuerung von Energie hat zumindest bisher keine breite Welle von Preiserhöhungen ausgelöst“, betont Ulrich Hombrecher, Chefvolkswirt der WestLB. Nach Ansicht vieler Volkswirte dürfte die EZB erst dann mit Zinserhöhungen auf die höhere Geldentwertung reagieren, wenn es auf breiter Front zu einer stärkeren Geldentwertung kommt. UBS-Ökonom Fahrinkrug rechnet frühestens für das zweite Quartal mit einer Zinserhöhung durch die EZB.

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