Volkswirte sehen eine "100-Prozent-Wahrscheinlichkeit"
Greenspan erhöht heute die Zinsen

Nachdem sich der US-Arbeitsmarkt im Oktober überraschend stark präsentiert hat, sind sich Volkswirte einig: Die US-Notenbank wird nicht nur heute ihren Leitzins um 25 Basispunkte erhöhen, sondern auch am 14. Dezember.

HB FRANKFURT. Damit würde der Zielsatz für die Fed Funds Rate bis Jahresende auf 2,25 % steigen, das wäre das höchste Leitzinsniveau seit Oktober 2001. Viele Beobachter hatten noch bis zum vergangenen Freitag erwartet, dass sich die Fed wie immer in den vergangenen 15 Jahren im Dezember zumindest nicht für eine geldpolitische Straffung entscheiden würde.

Der kräftige Beschäftigungszuwachs im Oktober - 337 000 Stellen gegenüber dem Vormonat - und eine deutliche Aufwärtsrevisionen der August- und September-Daten haben jedoch einen Meinungswandel ausgelöst. Hinzu kommt, dass sich der Ölpreis gegenwärtig in einer ausgeprägten Korrekturphase befindet, was nicht nur den ohnehin moderaten Preisdruck entlastet, sondern auch den konjunkturellen Bremseffekt vermindert, wirken doch die höheren Energiepreise wie eine Steuer auf den Konsum. Schließlich hat auch die Dollar-Schwäche der vergangenen Tage für eine monetäre Entlastung gesorgt, welche die Fed nun bedenkenlos kompensieren kann.

Angesichts dieser Entwicklungen preisen Akteure an den Geldmärkten eine Zinsanhebung am Mittwoch "zu 100 %" ein, für Dezember wird ein weiterer Zinsschritt mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 98 % eingepreist und selbst für den 2. Februar gilt eine abermalige Zinsanhebung als ausgemacht. Damit erscheint es aus Marktsicht als weitgehend gesichert, dass der Offenmarktauschuss (FOMC) um Alan Greenspan in den kommenden Monaten an seiner Politik der "maßvollen" Zinserhöhungen festhalten wird.

Konjunkturelle Aussichten freundlich

Gleichzeitig dürfte der FOMC in seinem Statement die Formulierungen beibehalten, dass die Auf- und Abwärtsrisiken für die Preis- und Konjunkturentwicklung "in etwa ausgeglichen" sind. Die Einschätzung des Ausschusses nach seiner vorangegangenen Sitzung, dass der Aufschwung der US-Wirtschaft nach der Delle im Frühjahr wieder an Fahrt gewonnen hat, ist von den Wachstumsdaten zum dritten Quartal bestätigt worden. Demnach ist die US-Wirtschaft zwischen Juli und September um annualisiert 3,7 % gewachsen, im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,3 % gestiegen.

Neben den positiven Oktober-Arbeitsmarktdaten hat es bereits eine Reihe weiterer Viertquartalszahlen gegeben, die auf eine fortgesetzte Expansion des US-BIP hinweisen. Sollte zudem der Ölpreis seinen jüngsten Abwärtstrend beibehalten oder aber zumindest nicht wieder steigen, dürften die konjunkturellen Aussichten in der Tat freundlich bleiben. Gleichzeitig wird die Fed den Leitzins weiter in Richtung des "neutralen" Niveaus steuern, das viele Beobachter bei 4 % bis 5 % sehen.

Sollte die Zinserhöhung jedoch wider Erwarten ausbleiben, dürfte das laut Devisenexperten den Dollar-Kurs weiter belasten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%