Volkswirte überzeugt
Alle rechnen mit Zinsschritt der Fed

Die Zinswende kommt. Die US-Notenbank (Fed) dürfte am Mittwoch laut Volkswirten erstmals seit gut vier Jahren den Leitzins erhöhen. Unter 133 von der Agentur Bloomberg befragten Experten prognostizierten zum Wochenauftakt 112 einen Anstieg des US-Leitzinses auf 1,25 Prozent. „Es steht praktisch fest, dass die Fed die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt anhebt“, sagte Volkswirt Richard Berner von der Investmentbank Morgan Stanley.

tmo NEW YORK. Steigende Inflation und kräftiges Wirtschaftswachstum in Amerika sprechen für ein Ende der Phase extrem niedriger Zinsen. Der Index für das Verbrauchervertrauen des privaten Instituts Conference Board kletterte im Juni mit 101,9 Punkten überraschend auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Die gestern veröffentlichte Zahl spiegelt den Optimismus der privaten Haushalte wider, die zwei Drittel der US-Gesamtnachfrage stellen.

Zudem zeigte der Preisindex des US-Wirtschaftsministeriums für Verbraucherausgaben im Mai den steilsten Anstieg seit fast 13 Jahren an. Das spricht dafür, dass die robuste US-Konjunktur inzwischen zu höheren Preisen führt.

Der Fed-Offenmarktausschuss will seine Zinsentscheidung heute um 20.15 Uhr deutscher Zeit bekannt geben. Die Marktreaktion hängt ab von der gleichzeitig veröffentlichten Lageeinschätzung. In den vergangenen Monaten hat die Fed ihre Selbstverpflichtung auf niedrige Zinsen schrittweise abgeschwächt. Zuletzt hieß es, man werde die geldpolitischen Zügel in „moderatem Tempo“ anziehen. Morgan-Stanley-Volkswirt Berner erwartet, dass die heutige Fed-Erklärung das „moderate Tempo“ künftiger Zinserhöhungen abhängig macht von der Inflation. „Damit gewänne die Fed Freiraum, um notfalls schneller zu agieren“, erklärt er.

Fed-Chef Alan Greenspan hat den US-Leitzins fast ein Jahr lang auf einem Prozent gehalten, dem niedrigsten Stand seit 1958. Die äußerst lockere Geldpolitik rechtfertigte Greenspan als „Versicherung“ gegen die Gefahr der Deflation – also einer Phase fallender Preise. Nach dem Platzen der Börsen-Spekulationsblase und den Attentaten des 11. September 2001 fürchteten viele Experten eine deflationäre Entwicklung. Doch neue Konjunktur- und Preisdaten zeigen, dass Inflation – nicht Deflation – inzwischen das größte Risiko für die US-Konjunktur ist. Deshalb bereitet die Fed die Finanzmärkte seit Wochen auf eine Wende in der Geldpolitik vor. „Noch nie in der US-Wirtschaftsgeschichte ist eine Zinserhöhung so gut angekündigt worden“, sagte Fed-Mitglied William Poole vor Sitzungsbeginn am Dienstag.

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