Volkswirte und Öffentlichkeit reden aneinander vorbei
Die gefühlte Konjunktur

Nein, so richtig traut Michael Heinrich der Konjunktur noch immer nicht über den Weg. „Im letzten Drittel des vergangenen Jahres und auch im ersten Quartal 2004 haben wir zwar eine deutliche Verbesserung erlebt“, sagt der Vorstandschef des Anlagen- und Werkzeugbauers Müller Weingarten AG. „Aber dass bei unseren Kunden der Knoten wirklich geplatzt ist, kann man leider noch nicht sagen.“

DÜSSELDORF. Die Aussichten für das Unternehmen seien zwar ein ganzes Stück besser als vor einem Jahr. „Aber die Lage ist insgesamt noch verhalten – und die Unsicherheit weiterhin groß.“

Diese Mischung aus Skepsis und Zuversicht ist symptomatisch für die deutsche Wirtschaft: Seit Mitte 2003 bessert sich die wirtschaftliche Lage in Trippelschritten – an einen echten Aufschwung aber glaubt kaum jemand. Und seit sich einige Frühindikatoren wieder etwas verschlechtert haben, schlägt bei vielen die Zuversicht schon wieder in Skepsis um – erst gestern ist der ZEW-Konjunkturindex überraschend deutlich gefallen, der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels senkte ebenfalls seine Erwartungen.

Zuvor hatten bereits drei der sechs führenden ökonomischen Denkfabriken ihre Prognosen leicht zurückgeschraubt. Schon werfen Unionspolitiker der Bundesregierung konjunkturelle Schönfärberei vor. Ist die Erholung vorbei, bevor sie so richtig begonnen hat?

Professionelle Konjunktur-Beobachter winken ab. „Ich kann in einen aufkeimenden Konjunkturpessimismus nicht einstimmen“, betont Wolfgang Wiegard, Vorsitzender des Sachverständigenrates. „Die Zahlen selbst geben dazu keinen unmittelbaren Anlass.“ So sind die Exporte zuletzt deutlich gestiegen, auch Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze waren im Plus. Und aus den jüngsten Rückgängen bei den Auftragseingängen, dem Ifo-Geschäftsklima und den ZEW-Konjunktur-Erwartungen ein Signal für ein Ende der Erholung zu lesen ist nach Ansicht von Experten überzogen – denn auch diese Indikatoren waren zuvor deutlich gestiegen. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn ist daher weiter optimistisch gestimmt: „Seit dem Jahreswechsel haben sich die Konjunktur-Aussichten nicht signifikant verschlechtert“, betont er. „Die deutsche Konjunktur wird sich in den nächsten Monaten weiterhin nur so schleppend verbessern, wie wir es im Dezember prognostiziert hatten.“ Nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds haben sich die Aussichten für die Weltkonjunktur seit dem Herbst sogar verbessert.

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