Vom Musterknaben zum Sorgenkind
Spanien fällt beim Wachstum im Euroland zurück

Spaniens Wirtschaft droht vom Musterknaben zum Problemkind innerhalb der Euro-Zone zu werden: Nach mehr als einem Jahrzehnt glänzender Wachstumsraten wuchs die Wirtschaft im ersten Vierteljahr nur um 0,3 Prozent und damit so schwach wie seit knapp 15 Jahren nicht mehr.

HB MADRID. Dies teilte das Statistische Amt in Madrid am Mittwoch mit. Erstmals seit 1997 fiel Spanien damit hinter das Wachstum in der Euro-Zone zurück, das im ersten Vierteljahr bei 0,7 Prozent lag. „Für jedes andere Land der Euro-Zone wären die Zahlen in Ordnung. Doch für Spanien sind sie wirklich mäßig“, sagte Volkswirt Antonio Zamora von der Urquijo Bank.

Beflügelt durch einen Bauboom sondergleichen war Spaniens Wirtschaft über Jahre um durchschnittlich fast vier Prozent gewachsen. Im Zuge der Immobilien- und Kreditkrise ist die Baubranche jedoch in eine Krise gestürzt und hat die Wirtschaft des Landes stark abgebremst.

Ökonomen schließen nun nicht mehr aus, dass Spanien noch in diesem Jahr in eine Rezession rutscht - dies wären zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaft. Die sozialistische Regierung geht dennoch davon aus, dass man 2008 noch ein Wachstum von 2,3 Prozent schafft. Damit würde sich das südeuropäische Land wohl der Rate Deutschlands annähern, dem Auguren wie der Mannheimer Wirtschaftsweise Wolfgang Franz trotz Finanzkrise und Euro-Stärke eine Zwei vor dem Komma zutrauen.

Bereits im ersten Quartal hatte sich die Wirtschaft hierzulande mit einem überraschend kräftigen Plus von 1,5 Prozent als Konjunkturlokomotive in der Euro-Zone erwiesen. Sollte Spanien jedoch tatsächlich in eine Rezession rutschen, wären die Folgen auch für Deutschland spürbar: Das südeuropäische Land trägt rund elf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone bei und hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wahren Jobwunderland entwickelt.

Mehr als ein Drittel aller neuen Arbeitsplätze in der Europäischen Union wurden in den Jahren 2004 und 2006 in Spanien geschaffen. Sollte auch Italien, das am Freitag seine Zahlen zum ersten Quartal vorlegen will, schwache Wachstumszahlen oder gar ein Minus beim BIP vorlegen, müsste sich die Euro-Zone auf eine deutlich langsamere konjunkturelle Gangart einstellen. Die Europäische Kommission hatte erst jüngst ihre Prognose auf plus 1,7 Prozent gesenkt.

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