Vor allem für Schwellenländer steigen die Risiken deutlich an
IWF-Chef Rato warnt vor Turbulenzen auf Finanzmärkten

Rodrigo de Rato, der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat vor Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten gewarnt. Sorgen bereiten ihm neben dem hohen Leistungsbilanzdefizit der USA vor allem die Überflutung der Märkte mit Liquidität und ihre zunehmende Intransparenz.

egl MADRID. Rato sprach in einer Rede vor den Spitzen der internationalen Bankenwelt in Madrid Trends an, die von vielen Experten mit Sorge betrachtet werden. Seine Botschaft: Nach einer Phase robusten Wirtschaftswachstums und einer globalen Liquiditätsschwemme – mit niedrigen Zinsen und hauchdünnen Risikoaufschlägen – gibt es Gründe, sich auf wieder schwierigere Zeiten einzustellen. Bei aller Würdigung der Stabilisierungsfortschritte in den Schwellenländern, nicht zuletzt dank hoher Exporte und robuster Wachstumsraten, sieht der IWF vor allem für diese aufstrebenden Regionen wachsende Risiken.

Rato betonte, dass sich die USA „nicht auf ewig auf Kapitalzuflüsse (zur Finanzierung ihres riesigen Leistungsbilanzdefizits) verlassen können“. Ein Rückgang, gar eine Umkehr der Kapitalströme „könnte ernste Konsequenzen für die Währungs- und Kapitalmärkte haben“, mahnte er. Er sagte: „Schauen Sie sich beispielsweise die jüngsten Marktreaktionen auf Informationen über die Diversifizierung der Anlage von Notenbankreserven an.“ Kürzlich hatten asiatische Notenbanken angedeutet, ihre Reserven künftig nicht allein auf den Dollar aufzubauen, was nervöse Marktreaktionen nach sich zog.

Ein weiteres Thema sind die zunehmend undurchschaubaren Strukturen der Märkte. Rato warnte, „die Kombination komprimierter Risikoprämien mit der Ausweitung komplexer Hedginginstrumente, die wiederum durch einen Mangel an Transparenz gekennzeichnet sind“, stelle eine „mögliche Quelle der Verwundbarkeit dar“.

Auch könnte eine stärker als erwartete Zinserhöhung – als Reaktion auf Inflationszahlen oder eine drastische Reduktion ausländischer Zuflüsse in die US-Anleihemärkte – starke Marktkorrekturen nach sich ziehen, warnte Rato. Nach seiner Einschätzung werden Marktakteure bei einem längere Zeit andauernden Überangebot von Liquidität verleitet, immer neue Risiken einzugehen und die Bewertungen von Vermögenswerten in die Höhe zu treiben. Durch die große Liquidität und hochgetriebene Bewertungen würden sonst übliche Schwankungen in vielen Marktbereichen gedrosselt und Schwachstellen so verdeckt. Wenn durch steigende Zinsen auf den entwickelten Märkten die Schwellenländer weniger attraktiv würden, könne das zu Turbulenzen führen, warnte er. Dies hätten frühere Phasen einer geldpolitischen Verknappung gezeigt.

Nach Einschätzung des IWF-Chefs stehen die Schwellenmärkte vor einer Wende. „Wie auf den Kreditmärkten der reifen Volkswirtschaften dürften die Faktoren, die niedrige Zinsen und niedrige Risikoaufschläge begünstigen, ihren Zenit überschritten haben“, sagte Rato. „Deshalb ist zu erwarten, dass künftige Finanzierungen weniger günstig zu haben sind, dass die Zinsen steigen und sich die Risikoaufschläge ausweiten.

In seiner Rede auf der Frühjahrstagung des Großbankenverbundes Institute of International Finance (IIF) nahm der frühere spanische Finanzminister Rato wichtige Schlussfolgerungen des Kapitalmarktberichts vorweg, den die IWF-Experten zweimal im Jahr als „Global Financial Stability Report“ (GFSR) vorlegen. Der neue GFSR-Bericht wird heute in London der Presse vorgestellt.

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