Vorsichtige Äußerungen zur Zinspolitik
US-Notenbank sieht Risiken für US-Wirtschaft

Angesichts der Krise bei den zweitklassigen US-Hypothekenkrediten hat Fed-Chef Ben Bernanke auf die Risiken für die US-Wirtschaft hingewiesen. An der Aktienbörse wurden die Aussagen negativ bewertet.

HB WASHINGTON. Die Fed rechne zwar weiterhin mit einem Wachstum in den USA, sagte der Notenbankchef am Mittwoch vor einem Wirtschaftsausschuss des Kongresses. Die Prognose stehe jedoch unter Vorbehalt. Auch das Finanzministerium beobachte die Entwicklung auf dem Markt für Kredite an Schuldner mit schlechter Bonität genau, sagte Finanzminister Henry Paulson vor einem weiteren Ausschuss. Sowohl das Ministerium als auch die Notenbank gehen jedoch derzeit davon aus, dass die Auswirkungen auf die allgemeine Wirtschaft begrenzt sein dürften.

An der Aktienbörse wurden die Aussagen negativ bewertet. Die Kurse an den New Yorker Aktienmärkten schlossen im Minus. Auch auf dem Devisenmarkt führten die Aussagen zu einem Kursrutsch des Dollar zum Yen. Analysten nannten die geringeren Aussichten auf eine schnelle Zinssenkung als Grund.

„Bernanke schlägt den Markt k.o.“, sagte Rich Parker von Stanford Group. Zwar erkenne Bernanke an, dass die Krise auf dem Häusermarkt zur Bedrohung für die Wirtschaft werden könnte, sagte Gary Wolfer von Univest Wealth Management & Trust. Allerdings halte Bernanke die Inflation immer noch für zu hoch. Die Notenbank hatte bei ihrer jüngsten Zinsentscheidung in der vergangenen Woche den Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent belassen.

Bernanke warnte nun in seiner Rede davor, dass die Korrektur auf dem Häusermarkt stärker ausfallen könnte als derzeit erwartet, möglicherweise angeheizt durch die Schwierigkeiten bei den Hypotheken am Schuldner mit schlechter Bonität. Besonders der Häusermarkt im Frühjahr werde daher genau beobachtet, der als wichtiger Indikator für die weitere Entwicklung gilt, sagte er.

Der Notenbank-Chef betonte, dass die strikteren Vergabekriterien der Banken in Folge der höheren Ausfallraten bei Krediten an Schuldner mit schlechter Bonität positiv zu bewerten seien. Über die Maßen laxe Kriterien hätten zu der gegenwärtigen Krise beigetragen, sagte er. Bislang beschränkten sich die strikteren Kriterien jedoch noch auf den Markt für zweitklassige Hypothekenkredite. Schuldner mit guter Bonität müssten sich dagegen noch nicht auf strengere Prüfungen und Regeln einstellen.

Aufschluss auf die weitere Zinsentwicklung erhofften sich die Börsianer aus Bernankes Äußerungen über die Zinspolitik in den USA. Hier äußerte sich Bernanke ebenfalls vorsichtig. Es bestehe die Gefahr, dass die Inflation nicht wie erwartet zurückgehen könnte, sagte er. Die Fed mache ihre Entscheidung über künftige Zinsschritte sowohl von der Inflation als auch vom Wirtschaftswachstum abhängig. „Beide Seiten unseres Mandats haben mit größeren Problemen zu tun.“ So dürfe sich die Inflation ohne die stark schwankenden Preise für Lebensmittel und Treibstoff etwas abschwächen. Allerdings bestehe ein Risiko, dass diese Vorhersage nach oben korrigiert werden müsse.

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