Vorteile für Exportwirtschaft
Gute Position der deutschen Industrie in der EU

Die Lohnzurückhaltung der deutschen Arbeitnehmer zahlt sich aus: Die deutsche Industrie ist im europäischen Vergleich der Arbeitskosten gut aufgestellt und hat dadurch einen Wettbewerbsvorteil. Der Abstand zu den Niedriglohnländern schrumpft.

BERLIN. Zumindest was die Arbeitskosten angeht, ist die stark vom Export abhängige deutsche Industrie für die aktuelle Wirtschaftskrise gut gerüstet. Denn seit rund einem Jahrzehnt wachsen die deutschen Arbeitskosten langsamer als in der übrigen EU. Dieser Trend dürfte sich auch in diesem Jahr fortsetzen, stellte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung in einer Analyse fest. Danach stiegen die Arbeitskosten in der gesamten Wirtschaft 2007 nur um 1,2 Prozent, während sie in der Euro-Zone um 2,6 und allen 27 EU-Staaten durchschnittlich um 3,7 Prozent zunahmen.

Damit gehört Deutschland zwar weiter zu den Hochlohnländern; das verarbeitende Gewerbe liegt mit 32 Euro je Stunde an vierter Stelle, nach Belgien, Schweden und Dänemark. Doch der Abstand schrumpft. Dies gilt auch für andere Hochlohnländer wie Frankreich und Großbritannien. Denn während dort die Arbeitskosten der gesamten Privatwirtschaft im Durchschnitt um fünf Prozent (Deutschland 1,4 Prozent) zulegten, wuchsen sie den Niedriglohnländern in Ost- und Mitteleuropas um zehn bis 30 Prozent.

Ein weiterer Vorteil kommt hinzu: Bei den privaten Dienstleistungen liegt Deutschland mit 25,60 Euro je Stunde 20 Prozent unter den Kosten in der Industrie und nur knapp über dem Durchschnitt des Euro-Raums von 24,98 Euro je Stunde. Davon profitiert auch das verarbeitende Gewerbe beim Einkauf produktionsnaher Dienstleistungen. In anderen EU-Ländern ist dieser Vorteil kleiner oder fehlt ganz, da dort die Arbeitskosten in Industrie und Dienstleistungssektor nicht so stark auseinander klaffen.

Das IMK ist sich mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft einig, dass der niedrige Arbeitskostenanstieg die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft stetig verbessert hat. Doch sei der Preis dafür eine sehr schwache Entwicklung des privaten Konsums gewesen. Sie habe dazu geführt, dass die deutsche Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren insgesamt weniger gewachsen sei, als alle Hochlohnländer mit stärker steigenden Löhnen und einer entsprechend starken Binnenwirtschaft.

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