Handelsblatt Ranking Volkswirtschaftslehre (VWL) - Porträtserie "Jugend forscht"
Martin Peitz: Industrieökonomie statt Journalismus

Der 39-jährige Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Martin Peitz änderte während des Studiums seine Karrierepläne – Heute ist er einer der forschungsstärksten Volkswirte seiner Generation.

Volkswirtschaftslehre, das war für Martin Peitz eigentlich nur Mittel zum Zweck. Journalist wollte er werden, nur deshalb hatte er sich für ein Studium der Ökonomie entschieden. Doch das Fach, das er in seinem Geburtsort Mainz und in Bonn studierte, ließ ihn nicht wieder los. Peitz entwickelte sich zu einem Vollblut-Wirtschaftsforscher – seine journalistischen Ambitionen legte er ad acta. „Mein letzter Lokalzeitungsbeitrag erschien, als ich mit dem Doktorandenstudium begann“, erinnert er sich und setzt hinzu: „Wahrscheinlich war das gut so.“

Zumindest ist der 39-Jährige, der deutlich jünger wirkt, einer der erfolgreichsten Volkswirte seiner Generation. Im Handelsblatt-Ökonomenranking VWL gehört er zu den zehn Forschungsaktivsten unter 40 Jahren. Wissenschaftlich hat er eher einen Hang zum Spröden, theoretisch Anspruchsvollen als zum leicht Verdaulichen. Peitz ist Industrieökonom und konzentriert sich auf die Themen Wettbewerb und Regulierung. Eine Vorliebe hat er dabei für formal besonders anspruchsvolle, wenig beackerte Themen – zum Beispiel Regulierung auf Märkten mit asymmetrischen Strukturen.

Das sind Märkte, in denen es weder einen Monopolisten gibt noch ein Oligopol von wenigen, gleich großen Anbietern, sondern zum Beispiel ein dominierendes Unternehmen wie die Deutsche Telekom und einige Wettbewerber. In seinem neuesten Forschungspapier mit dem Titel „Bundling May Blockade Entry“, das bald in einer führenden Fachzeitschrift erscheint, entwickelt er Kriterien, nach denen Regulierungsbehörden beurteilen können, wann sie bei Produktbündelung einschreiten sollten. Ein Anwendungsbeispiel dafür ist die Integration des Internet Explorers in das Betriebssystem Windows, mit der Microsoft in den 90er-Jahren Netscape aus dem Markt für Web-Browser drängte.

Doch obwohl sich Peitz wissenschaftlich in einem Feld bewegt, in dem es um sehr viel Geld geht und in dem viele hoch dotierte Gutachteraufträge auf wenige Experten treffen, lässt er sich nicht locken. Er hält zwar gelegentlich Vorträge und Seminare bei Regulierungsbehörden, aber mehr auch nicht. Seine akademische Forschung will er nicht zu Gunsten von Auftragsarbeiten hintanstellen.

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