Top-Ökonomen
Wie das Handelsblatt-Ranking entsteht

Das neue Handelsblatt-Ranking listet die forschungsstärksten Volkswirte in Deutschland auf. Je besser die Forschungsleistung ist, desto höher stehen die Wissenschaftler in Ranking. Eine Erklärung der Methodik.
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Das neue Handelsblatt-Ranking wurde konzipiert und umgesetzt von Experten der Forschungsinstitute KOF (ETH Zürich) und DICE (Uni Düsseldorf). Unterstützt wird das Ranking von der Ökonomenvereinigung „Verein für Socialpolitik“. Ein elfköpfiges Professoren-Team steht beratend zur Seite.

Für das Ranking werden sämtliche Forschungsartikel ausgewertet, die die mehr als 3.000 teilnehmenden Ökonomen veröffentlicht haben. Darunter sind all jene, die im deutschsprachigen Raum forschen – oder aus diesem Gebiet stammen und im Ausland arbeiten. Berücksichtigt werden insgesamt mehr als 2.200 internationale Fachzeitschriften – und zwar alle, die in der EconLit-Datenbank der „American Economic Association“ enthalten sind. Die große Journal-Anzahl soll gewährleisten, dass die Publikationsleistungen so vollständig wie möglich erfasst werden.

Für jede Veröffentlichung bekommt ein Forscher Punkte gutgeschrieben. Die fünf bedeutendsten Zeitschriften haben ein Gewicht von jeweils einem Punkt, alle weiteren bringen weniger Punkte, mindestens aber 0,025 Punkte. Diese Differenzierung bei der Punktevergabe ist unverzichtbar, weil es zwischen den Zeitschriften starke Reputationsunterschiede gibt: Wenn Herausgeber und Gutachter eines Topjournals ihren Segen für die Veröffentlichung erteilen, dann bescheinigen sie den Autoren internationale Spitzenleistungen.

Die Wertung der einzelnen Journale wurde für das jüngste Handelsblatt-Ranking reformiert und basiert nun auf den sogenannten „SCImage Journal Rank“-Werten (SJR). Diese messen – grob gesagt – wie oft Artikel aus einem Journal anderswo zitiert werden und berücksichtigt dazu wiederum die Qualität der zitierenden Zeitschriften. Eine genauere Beschreibung der Methodik findet sich in einem Aufsatz im Blog „Ökonomenstimme“. Die finale Zeitschriftenliste findet sich im Portal „Forschungsmonitoring“, das von der KOF betreut wird. Dort kann zum Vergleich auch ein Ranking generiert werden, dem die bei den bisherigen Rankings genutzte alte Zeitschriftenliste zugrunde liegt.

Wenn mehrere Forscher gemeinsam einen Aufsatz geschrieben haben, teilen sie sich die Punkte. Bei einer Co-Produktion im Topjournal etwa bekommen beide Autoren 0,5 Punkte gutgeschrieben. Wie lang ein Text ist, spielt keine Rolle, die Art des Artikels dagegen schon: Für Kommentare gibt es die halbe Punktzahl, Autoren von Buchrezensionen gehen leer aus.

In das Ranking der aktuellen Forschungsleistung gehen alle Punkte ein, die die Forscher in den letzten fünf Jahren mit ihren Forschungsarbeiten erarbeitet haben. Das Ranking des Lebenswerkes addiert alle Punkte, die die Forscher während ihrer bisherigen Karriere erzielt haben. Dasselbe gilt für das U40-Ranking, das aber nur Forscher berücksichtigt, die jünger sind als 40 Jahre.

Die Platzierung im Ranking ist also ein guter Indikator für die Leistungen eines Forschers. Sie kann aber natürlich nicht zum alleinigen Maßstab dafür werden.

Auf einen Blick – Handelsblatt-Ranking der forschungsstärksten Volkswirte

VWL-Ranking - Aktuelle Forschungsleistung (in den letzten fünf Jahren) Tabelle öffnen

VWL-Ranking 2017 - Lebenswerk (Gesamtforschungsleistung) Tabelle öffnen

VWL-Ranking - Forscher unter 40 (Gesamtforschungsleistung) Tabelle öffnen

Der Redakteur des Handelsblatts ist Experte für Konjunktur.
Hans Christian Müller-Dröge
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Top-Ökonomen: Wie das Handelsblatt-Ranking entsteht"

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  • Ich stimme dem Kommentator M. Weber zu. Wieso hat man nicht einfach ein Update des Combes-Linnemer Rankings in Auftrag gegeben? Diese Autoren wären (im Gegensatz zu Professoren, die selbst vom Ranking betroffen sind) völlig unbefangen gewesen!

    Nicht nachvollziehbar ist, dass die im deutschen Sprachraum tätigen Ökonomen (egal welcher Nationalität sie sind) in einen Topf geworfen werden mit z.B. in den USA tätigen Ökonomen, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz geboren wurden. Welche Bedeutung hat denn bitte der Ort der Geburt? Das Personen-Ranking soll als Grundlage für das Institutionen-Ranking dienen. Da hier aber nicht Stanford und Berkeley gerankt werden, sondern die Institutionen im deutschsprachigen Raum, sollten die und nur die dort tätigen Forscher (unabhängig davon, wo sie geboren wurden) Berücksichtigung finden. In den USA gibt es ganz andere Forschungsbedingungen als hier.

    Ferner gibt es Unstimmigkeiten bei der Zuordnung von Personen zu Institutionen. Beispielsweise steht bei A. Börsch-Supan korrekt "Max-Planck-Institut", bei M. Sutter steht jedoch fälschlich "Köln Uni", obwohl auch hier "Max-Planck-Institut" stehen müsste. Auch gibt es Abweichungen zwischen den Angaben zur Institution in den Tabellen hier und denen im Portal Forschungsmonitoring, z.B. bei M. Hellwig. Max-Planck-Institute sind eigenständige Institutionen und gehören nicht zu den Universitäten. Wenn hier nicht sauber getrennt wird, ist das Institutionen-Ranking verfälscht.

  • In früheren Versionen des Handelsblatt-Rankings machte die Spalte "A+&A" noch Sinn: Hier wurden nur die Zeitschriften betrachtet, die man nach international üblichen Standards in der ökonomischen Profession als A-Journals bezeichnet. Die 2017er Ausgabe des Rankings hingegen ist in dieser Hinsicht leider einfach nicht mehr ernst zu nehmen:

    Kein international renommierter Ökonom würde bestreiten, dass z.B. Journal of Economic Theory, Rand Journal of Economics, Games and Economic Behavior, Journal of Econometrics, oder Journal of Public Economics in die A-Kategorie gehören. Das 2015er Ranking des Handelsblatts hat diese Tatsache korrekt abgebildet.

    In der 2017er Version hingegen fehlen die genannten Journals in der A-Kategorie. Stattdessen werden nun scheinbar Zeitschriften wie "Journal of Marketing Research" oder gar "Journal of International Business Studies JIBS" in der A-Kategorie geführt. Dies widerspricht ganz offenkundig dem realen Ansehen der Zeitschriften in der ökonomischen Profession.

    Es wäre dringend geboten, dass das Handelsblatt die Gewichtung der Zeitschriften nochmals gründlich überarbeitet. Eine Aktualisierung der 2015er Liste um neue Journals ist sicher wünschenswert. In der A+ Spalte sollten entsprechend der in der VWL international üblichen Definition von A+ selbstverständlich nur die fünf Top5-Zeitschriften berücksichtigt werden (derzeit werden dort u.a. auch diverse Field-Journals aus dem Bereich Finance mitgezählt).

    Im Übrigen bildete jedoch die 2015er Liste das tatsächliche Renommee der Zeitschriften in der VWL weitaus besser ab. Die 2015er Liste beruhte übrigens auf der seriösen Combes/Linnemer-Studie, welche von der European Economic Association in Auftrag gegeben wurde.

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