Wachstum 2007
Wirtschaft strotzt vor Zuversicht

Die deutsche Industrie hat zum Auftakt der Hannover-Messe ihre Wachstumserwartungen deutlich nach oben geschraubt. Im Maschinenbau laufen die Geschäfte sogar so gut, dass ein für die Arbeitnehmer fataler Trend der vergangenen Jahre zum Stillstand gekommen ist.

ari/jkn/gil HANNOVER Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erhöhte am Montag zu Beginn der weltgrößten Industrieschau seine Prognose für Deutschland auf bis zu 2,5 Prozent. Das ist ein halber Prozentpunkt mehr als zu Jahresanfang. BDI-Präsident Jürgen Thumann schließt nicht aus, dass die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr zeitweise unter 3,5 Millionen sinkt. Das würde bedeuten, dass bis zu einer halben Million neue Stellen geschaffen werden. Ende März waren hier zu Lande 4,1 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet.

Die Wachstumserwartungen hatten sich in den vergangenen Wochen bereits deutlich verbessert. Mehrere Forschungsinstitute und Banken hoben ihre Prognosen an. Mehrheitlich erwarten sie jetzt trotz der höheren Mehrwertsteuer ein Wachstum von zwei Prozent und mehr. Am Donnerstag legen fünf Institute ihr gemeinsames Frühjahrsgutachten vor.

Viele Ökonomen sind davon überzeugt, dass sich der Aufschwung zumindest 2008 fortsetzt. Der Bundesbank zufolge steht Deutschland womöglich sogar erst am Anfang eines jahrelangen Aufschwungs. „Der Einstieg in das erste Quartal war günstig. Insofern besteht die Möglichkeit, dass wir unsere Prognose heraufsetzen“, sagte Bundesbankpräsident Axel Weber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bislang rechnet die Bundesbank in diesem Jahr mit einem Plus von gut zwei Prozent Zu den besseren Aussichten tragen neben einer guten Stimmung in der Wirtschaft die deutliche Verbesserung am Arbeitsmarkt, eine Stabilisierung des Konsumklimas sowie gute Konjunkturdaten vom Export über die Industrieproduktion bis zur Bauleistung bei.

Thumann rechnet damit, dass der Exportweltmeister Deutschland im laufenden Jahr seine Ausfuhren um bis zu zehn Prozent steigert. Wenn die Arbeitslosigkeit weiter sinke, werde dies auch den privaten Konsum ankurbeln, sagte er. Bis vor zwei Jahren wurde das deutsche Wirtschaftswachstum fast ausschließlich vom Export getragen. Seither kommen entscheidende Wachstumsimpulse auch von den Investitionen. Mit steigender Beschäftigung wächst die Chance, dass auch der private Konsum wieder dauerhaft zulegt.

Allerdings warnte BDI-Präsident Thumann vor Übermut und mahnte weitere Strukturreformen an. Trotz der guten Wachstumsraten sei die deutsche Wirtschaft von einem nachhaltig höheren Wachstumspfad nach wie vor deutlich entfernt. Dies sehen führende Volkswirte ähnlich.

Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), bezeichnet die derzeitigen Wachstumsaussichten von zwei bis 2,5 Prozent als „erfreulich, aber im OECD- und europäischen Vergleich ist noch Luft nach oben“. Deutschland bleibe in diesem Jahr über dem Potenzialwachstum, das seit einigen Jahren durch die zunehmenden Investitionen auch steige. Ende dieses Jahrzehnts hält Straubhaar ein Potenzialwachstum von 2,0 Prozent für realistisch, „wenn die Wirtschaftspolitik stimmt“.

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