Wachstum
Bundesbank fürchtet Dämpfer

Der Ausfall des Winters hat den Aufschwung in den ersten drei Monaten in Gang gehalten, obwohl die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn Bremseffekte auslöste. Die Kehrseite dieser Medaille zeigt sich im zweiten Quartal.

ari DÜSSELDORF. Vom Wegfall der Frühjahrsbelebung ist vorrangig das Bauhauptgewerbe betroffen. Dessen Produktion hat sich zwar im Mai wieder leicht um knapp 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat erhöht, im April und Mai zusammen gab es gegenüber dem ersten Quartal aber ein kräftiges Minus von 9,3 Prozent, berichtet die Bundesbank in ihrem heute vorgelegten Monatsbericht für Juli. Die saisonbereinigten Rückgänge der Bauleistung in den Monaten März und April zu den jeweiligen Vormonaten führt die Bundesbank auf die „Normalisierung der Produktion nach dem ungewöhnlich milden Winter“ zurück.

Dies bleibt nicht ohne Folgen für das gesamtwirtschaftliche Wachstum im zweiten Quartal, zumal die Baunachfrage im Mai nachgegeben hat und damit Nachschub fehlt. Die „erwartete technische Gegenreaktion“ in der Bauwirtschaft auf die witterungsbedingt guten Wintermonate hat nach Einschätzung der Bundesbank die gesamte Investitionstätigkeit im Zeitraum April bis Juni geprägt, also gedämpft. Hinzu kommt, dass dem Lageraufbau nicht mehr so starke Impulse zugetraut werden wie noch im ersten Quartal.

Die Bundesbank rechnet deshalb damit, dass das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal nicht so hoch ausgefallen ist wie zu Jahresbeginn mit 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 3,3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Eine konkrete Zahl nennt sie allerdings nicht. Nach dem Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin dürfte das Wachstum sich nur leicht auf 0,4 Prozent zum ersten Quartal verlangsamen. Der Handelsblatt-Barclays-Indikator sagt hingegen eine stärkere Abschwächung auf lediglich 0,15 Prozent im Quartalsvergleich voraus. Eine erste Schätzung des Wachstums im zweiten Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 14. August, Details dazu neun Tage später am 23. August.

Die Wachstumsverlangsamung ist für die Bundesbank aber offenbar kein Anlass zur Sorge. Sie betont, „insgesamt hat sich nach den vorliegenden Daten die zyklische Aufwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft im Frühjahr fortgesetzt“. Dazu trägt entscheidend bei, dass die Industriekonjunktur im Mai wieder an Fahrt gewonnen hat. Die Produktion stieg wieder und glich den April-Rückgang weitgehend aus. Außerdem verstärkte sich die Nachfrage nach Industriegütern. Preisbereinigt zeichnet sich außerdem ein positiver Wachstumsbeitrag vom Außenhandel ab, weil die Importe zuletzt stärker sanken als die Exporte, was den Außenhandelsüberschuss vergrößert hat.

Einen Hoffnungsschimmer erkennt die Bundesbank zudem bei den privaten Konsumausgaben. Der private Verbrauch habe sich nach dem deutlichen Rückgang im ersten Quartal, der mit der Anhebung der Mehrwertsteuer zusammenhänge, „sichtlich erholt“. Dafür spreche sowohl die Umsatztätigkeit im klassischen Einzelhandel als auch die höhere Zahl von Pkw-Anschaffungen, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Auch sie ist wie die Schar der wirtschaftswissenschaftlichen Institute und Bankvolkswirte also der Auffassung, dass die zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Steueranhebungen und sonstigen fiskalischen Belastungen der privaten Haushalte die Konjunktur nur vorübergehend gebremst haben. Ein wichtiger Grund ist die andauernde Entlastung am Arbeitsmarkt.

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