Wachstum für erstes Quartal nach untern korrigiert
Deutsche Wirtschaft wächst im Frühjahr nicht

Im Frühjahr ist die deutsche Wirtschaft trotz stärkerer heimischer Nachfrage nicht gewachsen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Allerdings sehen Volkswirte die deutsche Wirtschaft nach der Frühjarsflaute bereits wieder zurück auf Wachstumskurs.

HB WIESBADEN. Das Statitische Bundesamt erklärte, die reale Wirtschaftsleistung sei im zweiten Quartal auf dem Niveau der ersten drei Monate geblieben. Der Außenhandel sei zwar dynamisch geblieben, habe aber wegen eines starken Anstiegs der Importe das Wachstum der heimischen Nachfrage vollständig kompensiert. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sah seine Wachstumsprognose von einem Prozent für 2005 bestätigt: „Alles deutet darauf hin, dass sich die konjunkturelle Erholung im zweiten Halbjahr wieder beschleunigt.“ Dagegen wertete die Opposition die Daten als Beleg für das Scheitern der Regierung.

Volkswirte sehen die deutsche Wirtschaft nach der von ihnen erwarteten Frühjahrsflaute allerdings bereits zurück auf Wachstumskurs. „Wenn man hinter die Kulissen schaut, ist der Grundstein für einen neuen Aufschwung gelegt“, sagte Christian Jasperneite von MM Warburg. Allerdings rutschte Deutschland in der Wachstumsrangliste in Europa ab: In Spanien wuchs die Wirtschaft um 0,9 Prozent, in den Niederlanden um 1,2 Prozent und im bislang rezessionsgeplagten Italien um 0,7 Prozent. In der gesamten Euro-Zone betrug das Wachstum 0,3 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet in ihrem Monatsbericht August, dass die Wirtschaft nachhaltig - wenn auch langsam - wächst.

Das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Vierteljahr revidierten die Statistiker auf 0,8 Prozent herunter - von bislang gemeldet ein Prozent. Zum Vorjahr erhöhte sich die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 1,5 Prozent. 2005 standen allerdings zwei Arbeitstage mehr zur Verfügung als im Vorjahr. Kalenderbereinigt liegt das BIP nur um 0,6 Prozent über dem Vorjahr.

Das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass im Frühjahr vor allem weiter zunehmende Investitionen Wachstumsimpulse lieferten. „Der private Konsum war noch schwach.“ Analysten teilten die Einschätzung des Ministeriums. „Das Bild der deutschen Wirtschaft im Frühjahr war sehr gemischt“, sagte Andreas Rees von der HypoVereinsbank. Die Ausrüstungsinvestitionen seien wohl gestiegen. „Beim privaten Verbrauch ist noch etwas Geduld gefragt. Aber auch hier mehren sich die Anzeichen, dass eine moderate Belebung ins Haus steht.“ Gerd Haßel von der BHF-Bank vermutete hinter der höheren heimischen Nachfrage einen Anstieg der Bauinvestitionen. Details zum BIP will das Statistikamt am 23. August bekannt geben.

Angesichts einer Reihe günstiger Konjunkturdaten und der besseren Unternehmensstimmung sehen Ökonomen Deutschland wieder auf Erholungskurs. „Das dritte Quartal wird für deutsche Verhältnisse sehr stark werden“, sagte Rees. Stützend wirkten der schwächere Euro und das robuste Wachstum in den USA. Rees rechnet wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für das dritte Quartal mit einem Wachstum von 0,5 Prozent. Jörg Lüschow von der WestLB warnte aber vor zu hohen Erwartungen: „Sorgen macht uns der Ölpreis, der wie ein Damoklesschwert über allem schwebt.“ Auch Daniela Kiel von Dresdner Kleinwort Wasserstein blieb vorsichtig: „Die deutschen Unternehmen haben zwar einen guten internationalen Stand, aber das ist für einen anhaltenden Aufschwung nicht ausreichend.“ Noch fehlten Investitionen und mehr Konsumfreude der Bürger.

Während Wirtschaftsminister Clement den Anstieg der Erwerbstätigenzahl um 30 000 im Frühjahr im Jahresvergleich als Erfolg der rot-grünen Arbeitsmarktreformen bezeichnete, gab die Opposition der Regierung die Schuld an der Wachstumsflaute. „Die Stagnation ist zurückzuführen auf die falsche Wirtschafts- und Finanzpolitik der rot-grünen Bundesregierung“, sagte der stellvertretende Unionsfraktionschef Michael Meister der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahlen seien „eine traurige Nachricht“ für alle Arbeitslosen, die kaum auf neue Arbeitsplätze hoffen könnten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%