Wachstum
IfW toppt Negativprognosen

Frei nach dem Motto „Wer bietet weniger?“ übertreffen sich die Wirtschaftsinstitute derzeit mit schlechten Konjunkturprognosen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat nun die bisherigen Negativprognosen getoppt: Es rechnet für 2009 mit einem Schrumpfen des deutschen Wirtschaftswachstums von 2,7 Prozent. Auch die Weltwirtschaft sieht das IfW auf Talfahrt.

HB KIEL. Das IfW senkte für Deutschland seine Konjunkturprognose drastisch: Nachdem für 2009 bislang noch von einem leichten Wachstum von 0,2 Prozent ausgegangen wurde, wird nunmehr ein Minus von 2,7 Prozent veranschlagt. Das Minus wäre damit dreimal so groß wie im bisher schlechtesten Wirtschaftsjahr in der Geschichte der Bundesrepublik: 1975 ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 Prozent zurück.

Allerdings sei die Unsicherheit wegen der Finanzkrise derzeit deutlich gestiegen. Die Experten halten für 2009 ein Schrumpfen zwischen 0,8 und 4,6 Prozent für möglich. Noch im September hatten sie ein Wachstum von 0,2 Prozent erwartet. Erst 2010 erwarten sie wieder eine Erholung und ein Wachstum von 0,3 Prozent. Dies setze aber voraus, dass die Finanzmarktkrise nachlasse.

In der aktuellen Konjunkturkrise überbieten sich derzeit die Institute mit Negativ-Prognosen: Minus 1,9 Prozent sagte das Institut für Wirtschaftsforschung Halle voraus, minus 2,2 Prozent prognostizierte das Münchener Ifo-Institut, minus 2,0 Prozent das RWI.

Die Wirtschaft steckt nach Einschätzung der Forscher bereits jetzt tief in der Krise. „Für das Winterhalbjahr 2008/2009 ist ein Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Produktion wahrscheinlich“, schrieben die Experten. Im Herbst dürfte die Wirtschaft um 4,5 Prozent gesunken sein, für den Jahresauftakt 2009 erwarten die Experten sogar ein Minus von 5,0 Prozent. Auch im weiteren Jahresverlauf werde die Produktion in der Tendenz sinken, auch wenn es zeitweise leichte Anstiege geben werde, wenn die großen Unternehmen ihre Fabriken wieder in Betrieb nähmen.

Besonders die Exporte dürften im kommenden Jahr deutlich stärker einbrechen als die Einfuhren. Hier mache sich die Abschwächung der Weltkonjunktur zunehmend bemerkbar, schrieben die Forscher. Gerade die Nachfrage nach Investitionsgütern falle als treibende Kraft aus, die in den vergangenen Jahren den deutschen Export belebt habe. Die Binnennachfrage werde dagegen die Konjunktur stützen. Dabei setzen die Kieler Experten auf einen Anstieg des privaten Konsums um 0,5 Prozent. Neben den steuerlichen Entlastungen führen die Experten zur Begründung höhere Transferleistungen an, wie Arbeitslosengeld und Renten.

Der Arbeitsmarkt dürfte etwas glimpflicher durch die Rezession kommen als in der Vergangenheit, vor allem wegen der Arbeitsmarktreformen und rückläufiger Lohnkosten. Zudem habe die Bundesregierung durch die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes Anreize geschaffen, Arbeitsplätze zu erhalten. 2009 wird mit 3,7 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz gerechnet, 2010 mit 3,9 Millionen. Die Arbeitslosenquote werde bis dann um fast zwei Prozentpunkte auf 9,5 Prozent steigen - in der Rezession Mitte der siebziger Jahre lag der Anstieg bei 3,7 Prozentpunkten.

Zudem rechnet das Kieler Institut im kommenden Jahr mit einem schweren Einbruch der Weltkonjunktur. Für 2009 sei von einem Wachstum der Weltproduktion um nur noch 0,4 Prozent auszugehen. Im September wurde noch ein Plus von 3,3 Prozent veranschlagt. In den Industrieländern dürfte die Wirtschaftsleistung sogar um 1,8 Prozent schrumpfen. Dies wäre die schwerste Rezession seit Ende des zweiten Weltkriegs.

Trotz aller Anstrengungen durch Regierungen und Notenbanken dürfte sich die Weltwirtschaft noch geraume Zeit auf Talfahrt befinden, begründen die Forscher ihre Einschätzung. Nach einem sehr schwachen Jahr 2009 sei mit einer nur zögerlichen Belebung zu rechnen.

Auch für die Eurozone geht das Institut 2009, von einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung aus, wobei das Minus wie für Deutschland bei 2,7 Prozent gesehen wird. Bislang war das IfW von einem Nullwachstum im Euroraum ausgegangen. Im Jahr 2010 wird die Wachstumsrate bei 0,1 Prozent gesehen. In den USA – der größten Volkswirtschaft der Welt – sei trotz einer sehr expansiven Wirtschaftspolitik keine Ende der Rezession in Sicht. Hier wurde die Prognose für 2009 von plus 1,2 Prozent auf minus 1,5 Prozent verringert. Im Jahr 2010 dürfte das Wachstum wieder bei plus 1,0 Prozent liegen.

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