Wachstum in 2004 von 2,0 bis 2,5 Prozent
EZB glaubt an Aufschwung noch in 2003

Auch der Ölpreisanstieg der vergangenen Wochen kann aus Sicht des scheidenden EZB-Präsidenten Wim Duisenberg nichts an der Konjunkturerholung in der Euro-Zone ändern - und zwar noch in diesem Jahr.

HB MOSKAU. „Wir haben die Ölpreise zuletzt steigen und wieder fallen sehen. Unser Hauptszenario bleibt, dass sich die Konjunktur in der Euro-Zone in der zweiten Hälfte dieses Jahres langsam erholen wird“, sagte Duisenberg am Montag in Moskau. Bis Ende 2004 werde das Wachstum Raten von 2,0 bis 2,5 % erreichen. Duisenberg verweigerte einen Kommentar zum jüngsten Kursanstieg des Euro, bekräftigte jedoch, die Erklärung der G-7-Finanzminister und Notenbankchefs von Dubai habe nicht speziell den Euro-Dollar-Kurs zum Ziel gehabt.

Duisenberg, der an der EZB-Spitze zum 1. November vom französischen Notenbankchef Jean-Claude Trichet abgelöst wird, vereinbarte in Moskau mit der russischen Zentralbank eine Zusammenarbeit in der Bankenaufsicht. So werden nationale Notenbanken des Eurosystems ab November 400 Mitarbeiter der russischen Notenbank für diese Aufgabe qualifizieren.

Fragen nach dem jüngsten beschleunigten Kursanstieg des Euro, der in der vergangenen Woche fast sein Rekordhoch von gut 1,19 Dollar erreicht hatte, wich Duisenberg aus. „Ich versuche, der europäischen Öffentlichkeit schon seit fünf Jahren beizubringen: ein Euro ist ein Euro.“ Mit dieser Redewendung hatte Duisenberg schon früher versucht, die Aufregung über zeitweise starke Kursausschläge der Gemeinschaftswährung und deren Folgen zu dämpfen. Der Euro ist bereits seit September wieder im Aufwärtstrend, insbesondere seit sich die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industrieländer (G-7) vor drei Wochen für mehr Flexibilität der Wechselkurse ausgesprochen hatten. Daraufhin hatte sich der Dollar, der als überbewertet zu den Währungen Japans und Chinas gilt, zum Yen, aber auch zum Euro stark abgeschwächt. Der Euro hatte vergangene Woche fast sein Rekordhoch von gut 1,19 Dollar erreicht, was Sorge über einen Rückschlag für die Konjunkturerholung ausgelöst hatte.

„Das G-7-Statement war nicht spezifisch auf den Euro-Dollar-Kurs ausgerichtet, das ist vielleicht missverstanden worden“, bekräftigte Duisenberg. Die Erklärung sei ein Appell dafür gewesen, die Anpassungslast der Dollar-Abwertung gleichmäßiger zu verteilen. Die USA weisen erhebliche Importüberschüsse zu den asiatischen Ländern auf, die mit täglichen Devisenzuflüssen in die USA finanziert werden müssen. Das daraus resultierende übermäßige Leistungsbilanzdefizit der USA muss langfristig abgebaut werden, was zu einer Abwertung des Dollar führen wird. Die EZB hofft, dass diese Anpassung ohne einen schockartigen Kursverfall des Dollar möglich ist, der Exporte und Konjunktur in der Euro-Zone schwer belasten würde.

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