Wachstum
IWF hebt Deutschland-Prognose massiv an

Nach dem Rezessions-Drama im vorigen Jahr wächst die Weltwirtschaft wieder - wobei Deutschland ganz besonders glänzt. Doch geht der Aufschwung wohl bald schon wieder vom Gas. Und noch immer belasten gigantische Schieflagen die Weltwirtschaft, warnt der IWF.
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HB WASHINGTON/BERLIN. Trotz der Rückkehr des globalen Wachstums vor allem dank der Schwellenländer steht der Aufschwung aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf wackeligen Beinen. Auf dem Weg aus dem Krisental prescht indes Deutschland voran: In seinem jüngsten Weltwirtschaftsausblick schraubt der Fonds seine Prognose für die deutsche Wirtschaft massiv um 1,9 Punkte auf 3,3 Prozent nach oben.

Doch zugleich warnt der IWF in seinem am Mittwoch vorgelegten Bericht vor einem Berg ungelöster Probleme für die Weltwirtschaft, die in diesem Jahr um 4,8 Prozent zulegen soll, 2011 um 4,2. Immerhin: „Ein erneutes Abrutschen in die Rezession erwarten wir nicht“, sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. Die Konjunktur in der Eurozone stabilisiert sich nach Einschätzung dreier europäischer Institute zusehend. Nach einem Wachstum von 1,0 Prozent zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorquartal erwarten Konjunkturforscher des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, der französischen Statistikbehörde Insee und des italienischen Forschungsinstituts ISAE allerdings nicht mehr so hohe Zuwachsraten.

Der IWF sieht nach der dramatischen Aufwärtskorrektur Deutschlands Wirtschaft dementsprechend schon im kommenden Jahr mit zwei Prozent wieder verhaltener zulegen. „Das deutsche Wachstum wird sich verlangsamen, wie sich das weltweite Wachstum verlangsamt“, sagt IWF- Ökonom Jörg Decressin. Zwar gebe es auch einige dauerhafte Faktoren, die das Wachstum in Deutschland stützten. „Eine große Rolle spielen aber auch vorübergehende Elemente“. So habe das Wachstum im zweiten Quartal aufgeholt, was im ersten der harte Winter verhinderte. Die deutsche Arbeitslosenquote sieht der IWF 2011 weiter bei 7,1 Prozent - deutlich besser als in der Euro-Zone, wo er zehn Prozent erwartet.

Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, der Mittelstand, beurteilt unterdessen seine Geschäfte so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Das ergab eine am Mittwoch in München präsentierte Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Global geht es auch voran, aber Schwellen- und Industriestaaten klaffen deutlich auseinander: Nach wie vor ist deutlich, dass aufstrebende Volkswirtschaften wie China und Indien die Lokomotive der Weltwirtschaft ist. Laut IWF-Prognose legen die Schwellenländer 2010 um 7,1 Prozent zu, die reiche Staaten im Mittel lediglich um 2,7 Prozent. Im nächsten Jahr kommen demnach die aufstrebenden Staaten auf immerhin noch 6,4 Prozent, die Industrieländer auf 2,2 Prozent.

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