Wachstum
Ohne Deutschland sieht die Euro-Zone alt aus

Die Konjunktur in der Euro-Zone hat im November wieder überraschend an Fahrt gewonnen. Sowohl die Dienstleister als auch die Industrie legten zu, wie das Markit-Institut am Dienstag zur Umfrage unter mehreren tausend Unternehmen mitteilte. Allerdings offenbarte sich erneut die Zweiklassen-Gesellschaft im Währungsgebiet.
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HB BERLIN. Während vor allem Deutschland und in abgeschwächter Form auch Frankreich für Schwung sorgten, dürfte das Wachstum in den anderen Ländern bestenfalls stagnieren, betonte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Deshalb wird das Wachstum in der Euro-Zone im vierten Quartal 0,5 Prozent voraussichtlich nicht überschreiten.“

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Markit-Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg im November nach vorläufigen Berechnungen auf 55,5 von 54,6 Punkten im Oktober. Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel mit einem Rückgang auf 54,4 Zähler gerechnet. Die Produktion beschleunigte sich ebenso wie das Neugeschäft. Zudem schraubten die Firmen die Zahl ihrer Mitarbeiter so stark hoch wie zuletzt im Juli 2007. Ausschlaggebend war das Rekordplus in Deutschland und ein Anstieg in Frankreich. In den anderen Ländern ging die Beschäftigung den Angaben zufolge sogar leicht zurück. Der Index für die Dienstleister kletterte auf 55,2 von 53,3 Punkten und übertraf ebenfalls deutlich die Erwartungen von Experten.

Die deutsche Privatwirtschaft hingegen hat im November ihren Aufschwung beschleunigt. Die Geschäfte von Industrie und Dienstleistern legten deutlich zu, wie das Markit-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter mehreren hundert Unternehmen mitteilte. Die Service-Branche verzeichnete das stärkste Wachstum seit August 2007. Dank anziehenden Neugeschäfts und steigender Produktion schufen die Firmen auch wieder deutlich mehr Jobs. Die Dienstleister stellten so stark ein wie seit gut drei Jahren nicht, die Industrie fuhr ihre Beschäftigung sogar so kräftig hoch wie noch nie seit Beginn der Umfrage im April 1996. „Die Daten zeigen, dass der deutsche Arbeitsmarkt immer mehr an Stärke gewinnt“, sagte Markit-Volkswirt Tim Moore.

„Hauptmotor im Aufschwung bleibt der kräftige Anstieg der Industrieproduktion, aber der Dienstleistungssektor hat in der zweiten Jahreshälfte klammheimlich an Schwung gewonnen.“ Zudem seien die Service-Firmen noch einmal zuversichtlicher als zuletzt ohnehin schon. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister stieg nach vorläufigen Berechnungen auf 58,6 von 56 Punkten im Oktober. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einer Stagnation auf dem Vormonatswert gerechnet.

Der BME/Markit-Index für die Industrie kletterte auf 58,9 von 56,6 Zählern und damit ebenfalls deutlich stärker als erwartet. Die Unternehmen sahen sich neben steigenden Aufträgen allerdings auch mit steigenden Kosten konfrontiert. „Es gab weit verbreitete Berichte, dass höhere Preise für Kupfer und Stahl die operativen Kosten im November nach oben getrieben haben“, erklärte Markit. Die Dienstleister hätten vor allem mit anziehenden Preisen für Energie und Kraftstoffen zu tun.

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  • diejenigen, die diese dämliche Jubelpropaganda machen, zeigen damit, daß sie nicht in der lage sind, über den tellerrand hinaus zu denken. es wird doch niemand ernsthaft glauben, daß dieser zustand-deutschland zieht durch seine dumpingpolitik alles an sich, die anderen gehen in rezession- lange andauern kann, ohne daß es zum großen Crash kommt. ist der crash da, wird deutschland noch mehr einbrechen als im herbst 2008. damals war der Jubelgesang auf die deutsche Wirtschaft ja plötzlich verstummt, oder ? da haben sie kein wort mehr herausgebracht außer nach staatsgeld zu rufen. und ihre gekauften handlanger in der Politik haben die Schecks ausgestellt. Wir sollten daran denken, daß das abartige Hochgejubel der iren, inszeniert durch den Shareholder-value, nun im bankrott geendet ist. Die leute in irland wollen es einfach nicht wahrhaben, daß sie selbst für das desaster verantwortlich sind. sie haben nämlich diese Politik gewählt. Genauso wollen wir es nicht wahrhaben, daß unser Exportwahn ebenfalls dazu prädestiniert ist, abzustürzen. wir verschleißen unsere Kräfte für übermäßigen Export, und das wird sich in der zukunft bitter rächen. Der tag des Einbruchs kommt, es ist nur die Frage, wann.

  • @Torsten Steinberg
    Gerade diese permanente Überschüsse sind aber die Wurzel des Übels. Wenn Überschüsse in Deutschland dann zwangsläufig Defizite in anderen Euroländer wie irland, Portugal, Spanien, Griechenland, etc., etc.,

  • Ohne die im Handel mit anderen Ländern der Euro-Zone erwirtschafteten Exportüberschüsse sähe Deutschland alt aus

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