„Wachstum von mehr als zwei Prozent möglich“
Bundesbank-Präsident lässt sich vom Optimismus anstecken

Bundesbank-Präsident Axel Weber hat sich mit Blick auf die Konjunktur in Deutschland den Optimisten angeschlossen. Er hat seine Erwartungen für dieses Jahr kräftig nach oben geschraubt und hält nun ein Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent für möglich.

HB BERLIN. „Die wirtschaftliche Erholung hat bereits begonnen und wird sich weiter dynamisch fortsetzen“, sagte Weber in einem vorab veröffentlichten Interview der „Bild“-Zeitung vom Montag. „Ich halte es für möglich, dass wir beim Wachstum dieses Jahr eine Zwei vor dem Komma haben werden.“ Risiken für den Aufschwung lägen aber in einem weiteren Anstieg der Energiepreise und in größeren Verschiebungen bei den Wechselkursen, die deutsche Exporte belasten könnten. Außerdem könnte Deutschland weniger von der Weltwirtschaft profitieren, falls der Boom der großen Wachstumsländer wie den USA oder China abflauen sollte. Auch die zum Jahreswechsel geplante Mehrwertsteuererhöhung dürfte das Wirtschaftswachstum hier zu Lande bremsen. FDP-Parteichef Guido Westerwelle kündigte einen Antrag im Bundestag an, die bereits beschlossene Anhebung der Umsatzsteuer auszusetzen.

Bislang geht die Bundesbank offiziell von einem Wirtschaftswachstum von bereinigt 1,5 Prozent in diesem Jahr aus, die Regierung erwartet 1,6 Prozent. Allerdings haben bereits zahlreiche Wirtschaftsforscher angekündigt, ihre Vorhersagen über das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen.

Der Aufschwung sei auch ganz klar beim Arbeitsmarkt angekommen, betonte Weber. Diese Entwicklung werde sich zwar fortsetzen, dennoch seien Prognosen schwierig: „In diesem und im nächsten Jahr wird die Zahl der Arbeitslosen wohl nicht unter die Vier-Millionen-Marke fallen.“ Deutlich mehr Einstellungen seien nur möglich, wenn die Gewerkschaften weiterhin Mäßigung bei den Tarifabschlüssen an den Tag legten.

Weber warnte, die Mehrwertsteuererhöhung auf 19 von derzeit 16 Prozent könne zusammen mit weiter ansteigenden Energiepreisen negative Folgen für die gesamte Preisentwicklung haben. „Dadurch wird die Kaufkraft der Haushalte weiter eingeschränkt“, sagte der Bundesbankpräsident. „Die Steuererhöhung wird dem Aufschwung einen Dämpfer verpassen.“ Die Bundesbank hätte sich gewünscht, dass die Politik die Finanzen gleichmäßiger saniere - weniger von der Einnahmeseite und dafür mit stärkeren Anstrengungen für mehr Einsparungen. „Alle Subventionen gehören viel stärker auf den Prüfstand.“

FDP-Parteichef Westerwelle kündigte im ZDF an, angesichts der derzeit unerwartet hohen Steuereinnahmen im Bundestag eine Aussetzung der Mehrwertsteuerpläne zu beantragen. „Dann hätten wir die Chance, dass aus der Chance auf einen Aufschwung ein echter nachhaltiger Aufschwung mit Wirtschaftswachstum werden könnte.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%