Wachstum
Wirtschaftsweise optimistisch für 2010

Die fünf Wirtschaftsweisen erwarten in ihrem aktuellen Jahresgutachten für das Jahr 2010 wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent, nach einem Schrumpfen der Wirtschaft in diesem Jahr. Das Gutachten mit dem Titel „Die Zukunft nicht aufs Spiel setzen“ wird morgen offiziell vorgestellt und liegt dem Handelsblatt bereits vor.
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BERLIN. Die fünf Wirtschaftsweisen prognostizieren im Jahresgutachten für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 5,0 Prozent. Für das Jahr 2010 erwartet der Sachverständigenrat dann eine leichte Erholung der Wirtschaft. Mit ihrer Prognose sind die Wirtschaftsweisen optimistischer als die Bundesregierung, die für das nächste Jahr nur einen Anstieg von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwartet.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland veröffentlicht jeweils im November ein Gutachten mit Wachstumsprognosen für das laufende und das nächste Jahr. „So erfreulich das Ende der Abwärtsdynamik ist, die deutsche Volkswirtschaft befindet sich konjunkturell nach wie vor in einem tiefen Tal“, schreiben die Gutachter. Die leicht positiven Signale für das Jahr 2010 gäben keinen Anlass zu euphorischen Einschätzungen, etwa im Hinblick auf ausgabenpolitische Spielräume oder Steuersenkungen.

Das sieht der neue Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ähnlich. Die zunehmende Erholung der Wirtschaft führe nicht automatisch zu größeren finanzpolitischen Spielräumen, warnte der Minister. Der Schuldenstand Deutschlands werde im Jahr 2011 auf fast 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen, sagte Schäuble am Donnerstag bei seiner Antrittsrede im Bundestag. Nach wie vor gebe es Risiken.

Schäuble verteidigte die geplanten ersten Steuersenkungen der Koalition. Sie sehen Entlastungen von jährlich 8,5 Milliarden Euro vor allem für Familien, aber auch für Unternehmen, Erben und Hotels vor. Danach würden wie im Koalitionsvertrag vereinbart weitere strukturelle Vereinfachungen im Steuersystem angegangen. Für die schwarz-gelbe Regierung stünden steuerliche Wachstumsimpulse nicht im Widerspruch zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. „Beides ist notwendig“, sagte Schäuble. 2011 werde mit der Konsolidierung begonnen, wenn es einen – wie erwartet – selbsttragenden Aufschwung gebe.

Die Wirtschaftsweisen erwarten für das nächste Jahr einen deutlichen Anstieg des Staatsdefizits. Während das gesamtstaatliche Defizit in Deutschland im Jahr 2009 noch bei 3,0 Prozent bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt liege, sei im nächsten Jahr trotz der leichten konjunkturellen Erholung und selbst ohne Berücksichtigung der von der neuen Bundesregierung angekündigten Maßnahmen von einer deutlichen Erhöhung des Staatsdefizits auszugehen, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Gutachten.

Konkret erwarten die Sachverständigen, dass das Staatsdefizit im nächsten Jahr auf 5,1 Prozent steigt. Zudem sei mittelfristig mit einer Erhöhung der Schuldenstandsquote auf mehr als 80 Prozent zu rechnen, heißt es in dem Gutachten weiter. Der Europäische Stabilitätspakt erlaubt höchstens ein gesamtstaatliches Defizit von drei Prozent und eine Schuldenstandsquote von 60 Prozent.

Der Sachveständigenrat fordert die Bundesregierung auf, eine „Exit-Strategie vorzubereiten und umzusetzen, welche die konjunkturelle Stabilisierung nicht gefährdet, aber die durch die Krise bedingten staatlichen Eingriffe auf ein normales Maß zurückführt“. Die Wirtschaftsweisen verstehen darunter „die Verringerung der staatlichen Neuverschuldung, die schrittweise Rückführung der Stützungsprogramme sowohl in der Realwirtschaft wie auch im Finanzsektor sowie die Abkehr von der unbegrenzten Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken“. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP lasse insbesondere im Hinblick auf die Exit-Strategie aber nur bedingt den Schluss zu, dass sich die neue Bundesregierung des Ausmaßes dieser Herausforderungen bewusst sei, heißt es in dem Gutachten.

Professionelle Beobachter der Europäischen Zentralbank (EZB) werden in ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung für das nächste Jahr ebenfalls optimistischer. Laut der am Donnerstag veröffentlichten vierteljährlichen Umfrage der Notenbank unter Analysten ihrer Geldpolitik rechnen diese 2010 mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts in der Euro-Zone von 1,0 Prozent. Bei der letzten Umfrage vor drei Monaten hatten die Experten nur ein marginales Wachstum von 0,3 Prozent prognostiziert. In diesem Jahr wird die Konjunktur zwar auf Tauchstation gehen. Das Minus bei der Wirtschaftsleistung wird jedoch nicht wie bislang erwartet 4,5 Prozent, sondern wohl nur 3,9 Prozent betragen, wie aus den im aktuellen Monatsbericht der EZB enthaltenen Umfragedaten hervorgeht.

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  • Die sogenannten "Experten" werden von den Medien so
    bezeichnet.ich frage mich, was der bundesbürger von
    von Experten erwartet. Dies sind die ALibi- und
    SCHiTT- Marionetten der Politik, mit gut bezahlem
    Honorar neben den Lehrstühlen, je nach politischer
    Fahne.

    Wer das nicht sieht, sollte prinzipiell nicht wählen
    gehen. Leute seid ihr naiv.

  • die angeblichen wirtschaftsweisen haben schon immer nur nonsens verbreitet, durch die die zukunft und wahrheit verwischt wird im interesse des casinokapitalismus.
    jeder durchschnittliche küchen-ökonom hat mehr drauf.
    diese weisen haben seinerzeit auch den goldstandard aufgelöst, sehr weise, lol.
    die geschichte zeigt, wer sich bischen auskennt, das diese weisen noch nie irgendwas richtig gemacht haben.

    wieso hab ich die krise gesehen und auch den aktiensturz zur jahrtausendwende, und die weisen nicht??!!
    entweder sind es flachpfeifen, oder korupte.
    ich gehe sogar von beidem aus!
    ich habe seinerzeit meine aktien rechtzeitig abgestoßen und dieses mal rechtzeitig in rohstoffe investiert.

    ich habe nie wirtschaft studiert oder ähnliches, aber ich wähle nur zugenau meine imformationsquellen.
    mein bruder ist dr dr phyl in wirtschaftswissenschaften, unterrichtet dieses und verteilt fördergelder in hoher position in nrw.
    peinlicherweise hatte ich 2006 bezüglich der krise eine diskussion mit ihm, bei der wir gewiss nicht einer meinung waren. er hat alles rosig geredet und fakten der banken und immobilien untern tisch gekehrt und sogar von sicherer rente gesprochen,lol.
    mein fazit : jedes jahr kommen unmengen an kopieen von wirtschaftsidioten und funktionierenden trotteln aus den hochschulen, die leider nichts besseres gelernt haben als mit biegen und brechen dieses sytem am leben zu erhalten.
    sie können gar nicht anders, woher auch, sie haben es nicht besser gelernt!




  • Wenn Dinge von sich aus funktionieren wählt man ja das Wort "Selbstläufer". Hier scheinen die Waisen die Prognose wohl nur für bereiche wie "Krankenkassen" oder "banken", oder andere "kommunale Geldverteiler" anwenden zu wollen. Vielleicht auch noch "Politiker-Mischpoke", von der die Herren ja bezahlt werden. Für eine bereinigung des staatlichen Gemeinwesens und seiner mißbräuchlichen Ausuferungen der vergangenen Jahre sind meiner Meinung nach andere gefragt: Eine Legislative, die sich zu Verurteilungen durch neues Recht durchringt und eine gestärkte Judikative, die die maßgeblichen Figuren dieser Misere dahin bringen, wo sie auch hingehören.
    Meine Prognose: Fünf Waise umtaufen in bremer Stadtmusikanten.

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