Wachstumsaussichten für Deutschland hellen sich auf
Forscher: 2004 springt Wirtschaft wieder an

Wenn man den aktuellen Einschätzungen namhafter Wirtschaftsforschungsinstitute glauben schenken kann, lässt der wirtschaftliche Aufschwung nicht mehr lange auf sich warten. Allerdings: Die Hoffnungen müssen erst noch durch harte Wirtschaftsdaten bestätigt werden.

HB BERLIN. In der monatlichen Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter Analysten und institutionellen Anlegern kletterte der Saldo der Konjunkturerwartungen auf 60,9 von 52,5 Punkten im August, wie das ZEW am Dienstag mitteilte. „Die Analysten bestätigen somit die erwartete Konjunkturerholung zu Beginn des neuen Jahres.“ Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte, die Talsohle sei durchschritten. Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sieht Anzeichen, dass im Sommer der erste Schritt aus der Rezession geschafft wurde.

Der wachsende Konjunkturoptimismus sorgte bei den deutschen Standardaktien für weitere Kursgewinne. Der Dax notierte gut 0,7 % im Plus. „Tatsächlich zeigen sich in Deutschland schon jetzt erste Zeichen einer möglichen Konjunkturbelebung“, erklärte das ZEW. Nicht nur die Aktienmärkte, sondern auch erste Fundamentaldaten wie der Anstieg von Produktion und inländischen Neuaufträgen im Juli signalisierten eine Erholung.

"Harte Belege fehlen noch"

Trotz des neunten Anstiegs des ZEW-Indikators in Folge warnten Konjunkturexperten deutscher Banken aber davor, den Aufschwung schon in trockenen Tüchern zu sehen: „Wir haben für Deutschland bisher wenig an harten Fakten“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Erst nach den Daten zu Produktion und Auftragseingang im August und September könne man sicher gehen, dass es sich nicht um eine Erwartungsblase der Analysten handele wie im letzten Jahr. Der ZEW-Indikator liegt seit drei Monaten über seinem historischen Mittelwert von 33 Punkten.

Auch Bernd Weidensteiner von der DZ Bank sagte, entscheidend sei die Frage, wann sich die klaffende Lücke zwischen Erwartungen und aktueller Lage schließe. Die Lage bewerteten die vom ZEW befragten 300 Analysten sehr negativ. Der Saldo ihrer Einschätzungen stieg nur um 0,9 Punkte auf minus 91,7 Zähler.

IFW erwartet leichtes Wachstum

Trotz der schwierigen Interpretation der gewöhnlich von Monat zu Monat stark schwankenden realwirtschaftlichen Daten zeigten sich die IfW-Forscher zuversichtlich, dass die Rezession des ersten Halbjahres im Sommer überwunden wurde: „Für das dritte Quartal deuten die Frühindikatoren auf eine leichte Zunahme des Bruttoinlandsprodukts hin.“ Mit etwas mehr Schwung werde die Wirtschaft aber erst 2004 wachsen. Das Institut geht von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung in diesem und einem Wachstum von 1,8 % im kommenden Jahr aus.

Maßgeblich für die konjunkturelle Erholung in Deutschland seien die niedrigen Zinsen und die Belebung der Weltkonjunktur, schrieben die IfW-Experten. Für die Wachstumsstütze Export erwartet das IfW nach einer realen Stagnation in diesem Jahr einen Zuwachs um 3,9 % im kommenden Jahr. Dazu trage auch das Abklingen des Bremseffekts der Euro-Aufwertung bei.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat der starke Euro das gesamte Währungsgebiet belastet. Für dieses Jahr erwartet der IWF nur noch ein Wachstum von 0,5 % in der Euro-Zone statt 0,75 %. Die Prognose für 2004 senkte der IWF auf 2,0 von 2,3 % im Frühjahr.

Zuversicht für die deutsche Konjunktur äußerte Bundeskanzler Schröder bei einem Besuch in Warnemünde: „Wir haben die Talsohle durchschritten was die wirtschaftliche Entwicklung angeht.“ Die Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung müssten gestärkt werden durch Unterstützung für die Reformprojekte der Regierung und durch das Vorziehen der Steuerreform auf 2004. Mit Blick auf die notwendige Zustimmung des von der Union dominierten Bundesrates zu den Reformen sagte er: „Wer jetzt in dieser Phase nicht mitmacht, der versündigt sich an Deutschland."

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