Wachstumshoffnung gebremst
OECD: Kräftiger Aufschwung erst 2006

Nach Einschätzung der OECD muss Deutschland trotz des Exportbooms im kommenden Jahr mit weiter steigender Arbeitslosigkeit rechnen. Dabei behält Deutschland seine internationale Sonderrolle wegen der Anfälligkeit der Wirtschaft für externe Schocks.

HB PARIS. In ihrem am Dienstag veröffentlichten „Weltwirtschaftsausblick“ prognostiziert die OECD für 2005 ein arbeitstäglich bereinigtes Wirtschaftswachstum von 1,4 %, nachdem sie im Sommer noch einen Anstieg um 2,1 % erwartet hatte. „Wenngleich das Exportwachstum in den kommenden Quartalen etwas an Dynamik verlieren wird, dürfte die starke Auslandsnachfrage die Hauptantriebskraft des Aufschwungs bleiben“, erklärten die OECD-Volkswirte, die 2006 eine Beschleunigung des Wachstums auf 2,3 % erwarten. Große Gefahr drohe der deutschen Wirtschaft allerdings, falls der Euro weiter steigen sollte. Gegen den EU-Stabilitätspakt wird Deutschland der Prognose zufolge auch 2005 verstoßen.

Die Organisation der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ist damit für das kommende Jahr deutlich pessimistischer als die Bundesregierung, die ein bereinigtes Wachstum von 1,9 % erwartet.

Trotz ihrer Prognose-Senkung erwartet die OECD weiterhin, dass sich die wirtschaftliche Erholung in Deutschland fortsetzt. „Die Frühindikatoren lassen darauf schließen, dass sich die Wirtschaft weiterhin auf Expansionskurs befindet, wenn auch vorübergehend auf einem etwas langsameren Wachstumspfad“, heißt es in dem „Weltwirtschaftsausblick“. So sehen die OECD-Volkswirte Anzeichen für eine Belebung der Investitionen und eine Stabilisierung der Einzelhandelsumsätze, auch wenn sich das Verbrauchervertrauen bisher noch nicht erholt habe. „Der Aufschwung wird im Jahr 2005 voraussichtlich breiter werden, wenn sich das Konsumklima allmählich aufhellt.“ Die nächste Stufe der Steuerreform und ein langsamerer Anstieg der Verbraucherpreise werde die Einkommen stärken und den Konsum etwas ankurbeln. Bislang wurde die deutsche Wirtschaftserholung fast ausschließlich vom Exportboom getragen, der jedoch im Sommer ins Straucheln gekommen ist.

Die Erholung der Beschäftigung wird den privaten Konsum der OECD zufolge 2005 allmählich beleben, obwohl sich die Schaffung von Arbeitsplätzen in den kommenden Monaten noch immer vor allem auf Teilzeitstellen und Ich-AGs beschränken könne. Moderate Tarifabschlüsse, Arbeitszeitverlängerungen und die Arbeitsmarktreformen dürften das Wachstum beschäftigungsintensiver machen. Einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit erwartet die OECD allerdings erst durch das kräftige Wirtschaftswachstum 2006. Erst dann werde es auch der Bundesregierung gelingen, das staatliche Defizit knapp unter die EU-Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. Im kommenden Jahr dagegen rechnet die OECD mit einem Defizit von 3,5 %.

Die OECD unterstellte bei ihrer Prognose einen konstanten Euro-Kurs von knapp 1,30 Dollar. „Wenn sich der Welthandel schwächer entwickelt oder der Euro kontinuierlich höher bewertet wird, als in den Projektionen unterstellt, könnten die negativen Auswirkungen auf das Wachstum in Deutschland erheblich sein, da die Widerstandsfähigkeit der Binnenwirtschaft gegenüber externen Schocks noch immer gering ist“, erklärten die Volkswirte. Der jüngste Anstieg des Euro auf Rekordkurse von fast 1,33 Dollar hatte bei Firmen und Volkswirten Befürchtungen geweckt, die Exporte könnten weiter an Schwung verlieren und so die gesamte Erholung gefährden.

Hohe Ölpreise und Budgetdefizite, das US-Leistungsbilanzdefizit und sinkende Immobilienpreise brächten „Gegenwind für die Weltkonjunktur“. So wird sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2005 von 3,6 auf 2,9 % verlangsamen und erst 2006 wieder auf 3,1 % beschleunigen. Im Euro-Raum soll sich das Wachstum von 1,9 % 2005 auf 2,5 % 2006 beschleunigen.

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