Wachstumsprognose 2007
Wirtschaftsinstitut bremst die Euphorie

Gute Nachrichten über die deutsche Konjunktur gab es in den letzten Tagen und Wochen zu Hauf. Jetzt will offenbar auch die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2007 anheben. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle korrigierte seine Voraussage ebenfalls nach oben. Allerdings überraschten die Forscher mit der Prognose-Höhe und ihren Aussagen über Ostdeutschland.

HB BERLIN. Die Bundesregierung wird ihre Wachstumsprognose für 2007 offenbar nach oben korrigieren. „Darum kommen wir überhaupt nicht herum“, sagte ein Beamter aus einem der beteiligten Ressorts dem Magazin „Spiegel“ laut Vorabbericht. Die deutsche Wirtschaft werde im kommenden Jahr zwischen 1,5 und 2 Prozent zulegen.

Mit ihrer bisherigen Prognose von 1,4 Prozent sei die Regierung viel zu vorsichtig, meinen die Berliner Experten. Zwar werde es im ersten Quartal nächsten Jahres wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung zu einer Wachstumsdelle kommen, diese werde jedoch in den Folgemonaten mehr als ausgebügelt. Ursache dafür sei die zusätzliche Beschäftigung, die den Konsum stütze.

Mit Erleichterung nehmen die Konjunkturschätzer im Wirtschafts- und im Finanzministerium laut Magazin zudem zur Kenntnis, dass der Euro den Höhenflug der vergangenen Wochen zunächst nicht fortgesetzt hat. Auch die Investitionen entwickelten sich nach Einschätzung der Experten im kommenden Jahr weiter dynamisch. Die Bundesregierung wird ihre nächste Konjunkturprognose Ende Januar mit dem Jahreswirtschaftsbericht vorlegen.

Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hob seine Wachstumsprognose für 2007 leicht an. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde um 1,4 Prozent zunehmen, teilte das IWH am Donnerstag mit. Zunächst waren die Volkswirtschaftler von einem Wachstum in Höhe von 1,2 Prozent ausgegangen. Die Stärke des Aufschwungs der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr habe die anfänglichen Erwartungen deutlich übertroffen, hieß es nun. „Der Schwung wird ins kommende Jahr mitgenommen“, sagte IWH-Konjunkturexperte Udo Ludwig.

Damit hoben die Experten ihre bisherige Prognose von 0,8 Prozent zwar deutlich an, bleiben aber viel pessimistischer als ihre Kollegen: Das Münchner Ifo-Institut und das Essener RWI hatten ihre Prognose kürzlich auf 1,9 Prozent heraufgesetzt, das Kieler IfW geht sogar von 2,1 Prozent aus. Auch die Bundesregierung rechnet mit rund zwei Prozent. „Im Jahr 2007 ist es vor allem die Finanzpolitik, die durch die kräftige Erhöhung der Umsatzsteuer zu einer Abkühlung des Aufschwungs beitragen wird“, betonte das IWH.

Zwar wirke das kräftige Wachstum in diesem Jahr von 2,5 Prozent noch nach. Gleichzeitig steige aber die Nachfrage aus dem Ausland nach Produkten „Made in Germany“ nicht so kräftig wie bisher. Auch die Geldpolitik stütze das Wachstum nach den jüngsten Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht mehr.

Für den Arbeitsmarkt ist das IWH ebenfalls skeptischer als andere Institute. Es erwartet einen Rückgang der Arbeitslosenzahl um 150 000 auf 4,36 Millionen im Jahresdurchschnitt 2007. Ifo und RWI sagen ein Minus von rund 400 000. Der Wirtschaftsweise Bert Rürup hält sogar rund vier Millionen für möglich. Pessimistisch ist der IWH vor allem für Ostdeutschland. Wegen des erwarteten Wachstums von nur einem Prozent werde die Beschäftigtenzahl um rund 35 000 sinken.

„Auch die ostdeutsche Wirtschaft muss sich 2007 auf nachlassende Impulse für die Produktion einstellen“, hieß es. Sie bekomme den Nachfrageausfall beim Konsum nicht nur direkt zu spüren, sondern auch indirekt über die enge Verflechtung bei Vorleistungsgütern mit westdeutschen Herstellern.

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