Wachstumsprognose nicht in Frage gestellt
EZB-Direktoriumsmitglied Gonzáles-Páramo: Haben unsere Haltung in der Zinspolitik nicht geändert

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat seine Haltung in der Zinspolitik seit Anfang September nicht verändert. "Wir haben im September klar gestellt, dass wir zinspolitisch neutral sind"; sagte José Manuel Gonzáles-Páramo, der seit Anfang Juni dem EZB-Direktorium angehört, dem Handelsblatt.

FRANKFURT. "Aus unserem Oktober-Kommunique würde ich nicht herauslesen, dass sich daran etwas geändert hat." Anfang Oktober hatte der EZB-Rat eingeräumt, dass ein anhaltend hoher Ölpreis ein Risiko für die wirtschaftliche Erholung sei. Zahlreiche Analysten verschoben daraufhin den Zeitpunkt einer möglichen Zinserhöhung bis weit in kommende Jahr.

Trotz erhöhter Risiken sieht Gonzáles-Páramo bislang keinen Grund für die EZB, ihre Wachstumsprognose in Frage zu stellen: "Natürlich hat die Unsicherheit in Folge des Ölpreises und einiger gemischter Konjunktursignale zugenommen", konzediert der Spanier. "Ich glaube aber bisher nicht, dass wir unsere Projektionen ändern müssen. Die Erholung setzt sich fort."

Der EZB-Rat sei "sich ziemlich sicher", dass sich im Euro-Raum ein großer Überhang an Liquidität aufgebaut habe, berichtet Gonzáles-Páramo. Eine Blase am Anleihemarkt sieht er indessen nicht: "Ich glaube, dass die aktuellen Renditen nicht weit von dem entfernt sind, was mittelfristig zu erwarten ist, wenn man die Inflationserwartungen und das Potenzialwachstum im Euro-Raum in Betracht zieht." Beide liegen bei rund zwei Prozent, in der Summe also bei vier Prozent.

Aus dem "Fall Griechenland" sind nach Ansicht von Gonzáles-Páramo, der im EZB-Direktorium für Statistik zuständig ist, Lehren zu ziehen. "Den Regierungen muss stärker als bisher ins Bewusstsein gehoben werden, dass sie für die Lieferung einwandfreier Daten verantwortlich sind", fordert der Notenbanker. Sie sollten den Statistikbehörden nicht mehr nur einzelne Indikatoren, sondern ihre komplette Kontoführung zur Verfügung stellen. Wahrscheinlich führe kein Weg daran vorbei, Eurostat finanziell besser auszustatten und aufzuwerten, etwa indem die Eurostat-Berichte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden.

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