Wachstumsprognosen deutlich gesenkt
Trichet sieht Wirtschaft im Konjunkturtal

Die Finanzkrise und die hohen Ölpreise belasten die Wirtschaft im Euro-Raum nach Einschätzung der EZB stärker als bislang angenommen. Die Ökonomen der Zentralbank senkten ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr deutlich. Präsident Trichet fürchtet vor allem eine Entwicklung.

HB FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Wachstumsprognose für 2008 deutlich gesenkt. Für dieses Jahr erwartet der EZB-Stab für den Euro-Raum eine reale Wachstumsrate von - im Mittel - 1,4 Prozent, wie Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet nach dem Zinsentscheid in Frankfurt sagte. Bei ihrer letzten Vorhersage im Juni war die EZB von 1,8 Prozent ausgegangen.

"Die Wirtschaft des Euro- Raums durchlebt derzeit eine Zeit der Konjunkturabschwächung", sagte Trichet. 2009 erwartet die EZB im Jahresverlauf zwar wieder stärkeres Wachstum, senkte aber ihre Prognose von - im Mittel - 1,5 Prozent auf 1,3 Prozent.

Wegen der anhaltend hohen Preise für Energie und Lebensmitteln erwartet die EZB unterdessen nach Trichets Worten "über längere Zeit" Inflationsraten, die deutlich über ihrer Zielmarke von 2,0 Prozent liegen. Die Inflationsprognosen wurden erhöht: Für 2008 geht der EZB - Stab von einer durchschnittlichen Teuerung von 3,5 Prozent aus, nachdem bislang eine Rate von 3,4 veranschlagt worden war. Für 2009 wurde die Projektion von bisher 2,4 Prozent auf 2,6 Prozent erhöht.

Hohe Inflation spricht für Zinserhöhungen. Eine schwächere Konjunktur spricht dagegen für Zinssenkungen: Bei niedrigeren Zinsen wird es für Banken günstiger, sich bei der Notenbank mit frischem Geld einzudecken. In der Folge sinken Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher, was Investitionen und Konsum ankurbeln kann. Ökonomen rechnen 2009 mit Zinssenkungen der EZB.

Die EZB hat trotz der Konjunkturflaute am Donnerstag den Leitzins nicht angetastet und vorerst keine Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Die Währungshüter beließen den Zinssatz wie von Experten und Finanzmärkten erwartet am Donnerstag bei 4,25 Prozent. Präsident Jean-Claude Trichet sprach nach dem Zinsentscheid des EZB-Rats von einem "beängstigenden Inflationslevel". Zudem gebe es die sehr große Sorge, dass eine Lohn-Preis-Spirale die Teuerung noch anheizen könne.

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