Wachstumsraten
Irlands Wachstum normalisiert sich

Der „Keltische Tiger“ mutiert zum Bettvorleger. Die Wachstumsraten Irlands werden sich nach Einschätzung der meisten Volkswirte von fast sieben Prozent im ersten Halbjahr auf gut drei Prozent 2008 halbieren. Mit einer Rückkehr auf frühere Werte von acht oder neun Prozent rechnen Ökonomen selbst auf lange Sicht nicht.

LONDON. Hauptursache für den Knick ist das Ende eines langen Immobilienbooms. Auch der starke Euro trifft Irland wegen der engen US-Verknüpfung besonders. Die jüngsten Konjunkturdaten sind wenig erfreulich. Die Häuserpreise fielen im September zum siebten Mal in Folge und liegen seit Jahresbeginn nun schon um 3,6 Prozent im Minus. Sogar auf dem überhitzten Dubliner Markt, wo ein durchschnittliches Wohnhaus mehr als 400 000 Euro kostet, beginnen die Preise zu sinken. Der NCB-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sinkt, während der Index für den Dienstleistungssektor auf einem Vierjahrestief angelangt ist. Das gilt auch für das von dem Zentralen Statistikamt ermittelte Verbrauchervertrauen. Im Aufwärtstrend sind dagegen die Arbeitslosenzahlen – wenn auch auf einem Niveau von rund viereinhalb Prozent – und die Inflationsrate, die auf drei Prozent geklettert ist.

Der Chefvolkswirt der Bank of Ireland, Dan McLaughlin, deutet all das als vorübergehende leichte Abkühlung. Für das laufende Jahr rechnet er wegen der starken ersten Hälfte noch mit einem Wachstum von 5,3 Prozent. Im kommenden Jahr werde es auf vier Prozent zurückgehen, bevor es 2009 wieder auf fünf Prozent steige, sagt er voraus. Damit liegt er deutlich über dem Konsens der Volkswirte und der Schätzung von Finanzminister Brian Cowen, der die Regierungs-Prognose von 5,3 auf 4,75 Prozent 2007 und 3,25 Prozent 2008 gesenkt hat. Der Rückgang reißt ihm ein Loch in die Steuereinnahmen.

Die Flaute am Wohnungsmarkt sei der entscheidende Grund für den Rückgang der Wachstumsrate, sagt McLaughlin. „Die Korrektur ist gesund und ziemlich moderat.“ Die Banken hätten zwar einen vergleichsweise sehr hohen Anteil an Hypothekenkrediten in den Büchern, doch diese Kredite seien gesund und die Banken solider als es die jüngsten Kursverluste an den Börsen vermuten ließen. Von daher drohe also keine konjunkturelle Gefahr.

„Ich kann die Optimisten nicht verstehen“, sagt hingegen Edgar Morgenroth, Wirtschaftsforscher beim Institut ESRI. Mit der Immobilienwirtschaft und der Regierung fielen die beiden Job-Motoren der vergangenen Jahre aus. Er rechnet damit, dass die Wachstumsrate im kommenden Jahr unter drei Prozent sinkt: „Die neun Prozent werden wir nicht wieder sehen, aber Irland wird seine Position in der Eurozone halten.“

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