Währungsstreit
China wirft USA riskante Geldpolitik vor

Die Fronten im Streit um die Währungspolitik zwischen den USA und China haben sich verhärtet. Während Obama seinen Besuch in der Volksrepublik fortsetzte, bekräftigte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums die bisherige Linie seines Landes. Das Finanzministerium ging zugleich scharf mit der laxen US-Geldpolitik ins Gericht.
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HB PEKING. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Finanzministeriums in Peking warf der USA vor, durch die Politik des billigen Geldes die globale Erholung zu gefährden. „Wir rufen die Länder, die maßgeblich Währungsreserven bereitstellen, zur Verantwortung in der Zinspolitik auf“, sagte Zhu Guangyao. Er reagierte damit auf die zunehmende Kritik an der unterbewerteten chinesischen Währung. China hält geschätzte zwei Drittel seiner 2,27 Billionen Dollar an Währungsreserven in vom Dollar dominierten Anteilen.

Chinas oberster Bankenaufseher Liu Mingkang hatte zuvor ungewöhnlich scharfe Kritik an der US-Notenbank Federal Reserve geübt: Die Zusage der Fed zugunsten einer billigen Kreditvergabe sowie der schwache Dollar seien „systemische Risiken“. Der schwache Dollar sowie die niedrigen US-Zinsen hätten zur „massiven Spekulation“geführt, sagte Liu. Dies werde für die Erholung der gesamten Weltwirtschaft, vor allem für die Entwicklung in Schwellenländern wie China, zu einem Risiko. Obama hat bereits im Vorfeld seines Besuchs angekündigt, er wolle das Yuan-Thema in Peking offen ansprechen.

Die Kombination aus schwachem Dollar und niedrigen Leitzinsen habe den Handel mit "riesigen Carry Trades" befördert, der "massive Auswirkungen auf die globalen Vermögenswerte" habe, kritisierte laut "Financial Times" Liu. Bei Carry Trades verschulden sich Investoren in der Niedrigzinswährung Dollar und legen dieses Geld in höher verzinsten anderen Währungen oder Anlageklassen (wie Aktien und Rohstoffen) an. Experten warnen daher vor einer drohenden "Mega-Blase" an den Finanzmärkten.

Mit Blick auf den Währungsstreit mit den USA stellte indessen der Sprecher des chinesischen Handelsministeriums, Yao Jian, klar, China sollte den Yuan-Kurs stabil halten, da damit auch der weltweite Wirtschaftsaufschwung gestützt werde. Es sei ungerecht, nur ein Land zur Aufwertung seiner Währung aufzufordern, während der Wert anderer Währungen nachgebe. Die USA drängen China zu einer größeren Freigabe des Yuan-Kurses, um Nachteile für die heimische Wirtschaft zu verringern.

Washington klagt, dass der chinesische Yuan künstlich unterbewertet wird, wodurch die Preise chinesischer Exporte niedrig gehalten werden. Dadurch werden globale wirtschaftliche Ungleichgewichte verewigt, was zu einer neuen Finanzkrise wie 2008 führen könnte. China ist allerdings auch der größter Kreditgeber der USA. Die Volksrepublik hätte daher in Zeiten wachsender Defizite und Schulden der USA bei einer Währungsneubewertung viel zu verlieren. Insofern sind Obamas Möglichkeiten begrenzt, eine Währungsanpassung zu verlangen.

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