Währungsstreit
Fed-Chef Bernanke keilt gegen China

US-Notenbank-Chef Ben Bernanke bleibt hart: Bei seinem mit Spannung erwarteten ersten Auftritt in Europa nach der jüngsten abermaligen Lockerung der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten verteidigt er den weltweit heftig kritisierten Schritt vehement. China warf er vor, seinen enormen ökonomischen Aufstieg durch künstliche Unterbewertung seiner Landeswährung zu forcieren.
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HB FRANKFURT. Das langsame Wachstum, der Rückgang der Inflation und eine seit Monaten hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit seien die Gründe für den vielfach kritisierten Schritt der Federal Reserve, sagte Bernanke am Freitag auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB). „Bei der jetzigen wirtschaftlichen Entwicklung in den USA besteht die Gefahr, dass Mio. Arbeiternehmer viele Jahre lang nicht beschäftigt oder unterbeschäftigt bleiben. Für unsere Gesellschaft sollte dies inakzeptabel sein“. Kritik an dem Schritt war vor allem aus den Schwellenländern, aber auch Deutschland gekommen.

In den vergangenen Tagen haben bereits mehrere amerikanische Notenbanker, darunter Bernankes Vize Janet Yellen und der Chef der wichtigen Fed of New York, William Dudley, das Anfang des Monats beschlossene neue 600-Milliarden-Dollar-Programm der Fed verteidigt - eine recht ungewöhnliche Kommunikationsoffensive.

Die Fed-Aktion soll die lahmende US-Wirtschaft mit billigem Geld versorgen und damit Investitionsanreize schaffen. Der Schritt schwächt jedoch zugleich den Dollar. Die Maßnahme ist deshalb im In- und Ausland umstritten. Viele Länder, vor allem die großen Schwellenländer fürchten, dass die Politik der Federal Reserve über Kapitalimporte zu einer starken Aufwertung ihrer Währungen führt und so ihren Export belastet. Bernanke machte indes klar: „Nicht eine einzelne Währung ist Schuld am Entstehen von Defiziten oder Überschüssen und damit an Ungleichgewichten, sondern das Verhalten vieler Länder.“

China, das ebenfalls zu den Kritikern der US-Geldpolitik gehört, warf Bernanke zum wiederholten Mal vor, durch künstliche Unterbewertung der Landeswährung Yuan Übersprungeffekte zu verstärken, „die nicht existieren würden, wenn der Wechselkurs die ökonomischen Fundamentaldaten besser widerspiegeln würde“. China finanziere deshalb seinen enormen ökonomischen Aufstieg nicht zuletzt auf dem Rücken anderer und ziehe die Folgen seines Handelns für die Weltwirtschaft nur unzureichend in Betracht.

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  • Er hätte auch 100 Millarden statt 600 sagen können.

    Die inflation in Germany ist gesteuert:
    Während Grundnahrungsmittel bereits an der Deflation kratzen, (Milch billiger als Mineralwasser) wurde durch gestiegene MwSt und Energiesteuer seit Euroeinführung rund 20% inflation erreicht, was dem Lohnzuwachs in Deutschland in dieser Zeit entspricht
    (Europa hatte rund 40% Lohnzuwachs).
    Anderseits kostet vieles heute das in Euro, was es 2000 in DM gekostet hat.
    Die Leidtragenden sind u.a. die Rentner.

    Die genannten Steuern erhalten die Handlungsfähigkeit des Staates ohne einfach nur die Geldmenge zu vermehren.

    Die Theorie, bei vielen Reichen und vielen Schulden, inflation durch neues Geld erreichen zu können, wird die USA handlungsunfähig machen.
    Wenn sie das nicht schon ist.

    Nachdem hierzulande rund 1000 Millarden Schulden aus der Wiedervereinigung abgearbeitet wurden, dürfen dann nochmal 200 für risikofreudige bänker abgearbeitet werden und dann nochmal vielleicht 300 für das (zumeist katholische) Miteuropa.

    Wir arbeiten für isländische Einkaufszentren, griechische Renten, irische Steuerparadiese und spanische Großbaustellen. Und US-amerikanische Vorstädte.

    Einem Drittel der bevölkerung ist nicht betroffen, weil sie schon jetzt Transferleistungen bekommen. Ein Drittel (über €100.000 p.a.) zahlt zwar für die Krise, gewinnt aber auch daran.
    Und das letzte Drittel, was zwischen 10.000 und 100.000 verdient, soll dann bezahlen.

    Was den USA fehlt, ist ein parteiübergreifender "New Deal", einfach mal etwas Geld für den Erhalt der Funktionsfähigkeit des Staates einzusammeln.
    Und die Erkenntnis der bürger, dass manches preisgünstiges Produkt aus Fernost zumeist auch entsprechend kurzlebig ist.

  • bessere und wettbewerbsfähigere Produkte wären doch ein Anfang zur besserung der US-Situation.So versucht man-wie meistens-auf Kosten anderer zu leben und das ganze Weltwährungssystem zu kippen.

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